Hochstaufen

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Hochstaufen
Reichenhaller Seite
Reichenhaller Seite
Orte Bad Reichenhall, Piding, Inzell (Lkr. TS)
Gebirge Staufen
Höhe 1771m
Gestein Wettersteinkalk
Dominanz 2,6 km → Zwiesel

Der Hochstaufen (meist nur Staufen oder bayer. Staffa) ist der zweithöchste Berg des Gebirgsstocks Staufen in den Chiemgauer Alpen. Er besteht aus Wettersteinkalk mit Schichten aus Muschelkalk.

Der Hochstaufen liegt im mittleren Landkreis an der Grenze zum Landkreis Traunstein (Gemeinde Inzell) zwischen den Orten Bad Reichenhall und Piding. Der Berg gilt als Reichenhaller „Hausberg“.

Knapp unterhalb des Gipfels steht das Reichenhaller Haus (Haus-Nr. Nonn 81) und wenige Meter westlich davon die Staufenkapelle.

Grenzen

Über den Grat und einen nördlichen Ausläufer verlaufen die Grenzen zwischen Bad Reichenhall, Piding und Inzell (Lkr. Traunstein).

Von 1275 bis 1810 war die Grenzlinie am Grat die Landesgrenze zwischen dem Königreich Bayern und dem Erzstift Salzburg.

Name

Der Name „Staufen“ beschreibt eigentlich die Form des Berges. Er stammt vom Mittelhochdeutschen „stouf“ und steht für „steil aufragender Fels“.

Über die Zeit änderte sich der Name immer wieder etwas. Frühere Bezeichnungen waren etwa Vorderstaufen (heute eine Erhebung etwas östlich am Fuderheustein), Hohenstaufen oder Hoher Stauffen.

Nutzung

Reichenhaller Haus

Der Berg wird heute nur noch von Wanderern und Bergsteigern genutzt. Bis ins 18. Jahrhundert wurde jedoch unterhalb des Gipfels Bergbau betrieben. Außerdem sollte eine Ballonbahn auf den Gipfel gebaut werden.

Wandern

Viele leichte und schwere Wanderwege führen heute von mehreren Seiten auf den Berg:

  • Padinger Alm – Bartlmahd – Reichenhaller Haus – Hochstaufen (Normalweg)
  • Padinger Alm – BuchmahdSteinerne Jäger – Reichenhaller Haus – Hochstaufen
  • Padinger Alm – Goldtropfsteig
  • Piding (Urwies oder Mauthausen) – Mairalm – Steinerne Jäger – Reichenhaller Haus – Hochstaufen
  • Piding (Urwies oder Mauthausen) – Mairalm – Pidinger Klettersteig – Hochstaufen
  • Piding oder Aufham – Steiner Alm – Nordflanke – Hochstaufen
  • Inzell (Gasthaus Adlgaß) – Frillensee – Steiner Alm – Nordflanke – Hochstaufen
Übergänge
  • Zwiesel – ZennokopfMittelstaufen – Reichenhaller Haus – Hochstaufen
  • Zwieselalm – Barthlmahd – Reichenhaller Haus – Hochstaufen
  • Fuderheuberg – Steinerne Jäger – Reichenhaller Haus – Hochstaufen
Klettersteig

Der Pidinger Klettersteig wurde 2003 eröffnet und ist einer der schwierigsten Klettersteige Deutschlands. Der Zugang ist vom Wanderparkplatz Urwies in Piding und der eigentliche Einstieg liegt auf 1.070 Meter Höhe.

Ballonbahn

Ende des 19. Jahrhunderts plante der Salzburger Ingenieur Volderauer eine Ballonbahn (auch Luftballon-Bergbahn) auf den Hochstaufen. Die Vorarbeiten wurden im Oktober 1896 bereits genehmigt. Nach großen Ankündigungen zum Gewinn und der Gründung eines Komitees, scheiterte das Projekt wohl an der Finanzierung.[1]

Bergbau

→ Hauptartikel: Bergwerk am Stauffen

Mindestens seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde am Gipfel mehr oder weniger viel Bergbau betrieben. Abgebaut wurden Blei und Zink („Galmei“). 1585 sprach Herzog Wilhelm V. dem Pfleger und Salzmaier von Reichenhall das Bergwerk zu. Auch der Salzburger Erzbischof hatte wohl Interesse an den Vorkommen. Seit etwa 1650 übernahm ein Dr. Oswald das Bergwerk und begann mit größeren Schürfungen. Er trieb etwa 60 Meter unterhalb des Gipfels den Oswaldstollen (auch: Doktor-Oswald-Stollen) in den Berg. Etwa ab Mitte der 1660er kam unter neuer Leitung der Nonnerstollen dazu. Bis zum Betriebsende Mitte des 18. Jahrhunderts wurden insgesamt sechs Stollen in den Berg getrieben.[2]

Die geförderten Erze wurden ab Dezember 1669 in einer Schmelzhütte in der Nonner Au verabeitet.

Erdbeben

Zahlreiche Schwarmbeben machen den Hochstaufen auch seismologisch interessant. Vereinzelt konnten bereits bis zu 1.000, meist sehr schwache, Erdbeben in ein paar Wochen aufgezeichnet werden. Die meisten Beben ereignen sich zwischen April und September und lassen sich auf Niederschlagsmengen und Pegelständen zurückführen.

Zu Messung ist ein Netz von Seismometerstationen rund um den Berg installiert. Die meisten befinden sich auf der Südseite.[3]

Gipfelkreuz

Der Plan eines Gipfelkreuzes kam 1852 auf. Nachdem zahlreiche Spendengelder für das Projekt gesammelt wurden, begannen die Schlossergesellen der Alten Saline mit den Arbeiten und stellten das Kreuz „Zur Ehre Gottes“ im Frühjahr 1853 fertig. Als Tag der Aufstellung wurde zunächst der 16. Juni, der Gedenktag des oberbayerischen Landespatrons St. Benno, gewählt. Aufgrund länger anhaltender Regenschauer wurde die Aufstellung auf den 24. Juni (Johannistag) verschoben. Schlussendlich ließ das Wetter die Durchführung des Vorhabens erst am 29. Juni, dem Peter-und-Paul-Tag, zu.

Die anstehende Feier wurde am Vorabend von Nonner und Karlsteiner Bauern am Gipfel mit einem großen Feuer und um 3 Uhr Nachts mit mehreren Kanonenschüssen angekündigt. Um 4 Uhr morgens gab es dann eine Messe in der Pfarrkirche St. Nikolaus und ab 5 Uhr machten sich etwa 200 Personen aus Nah und Fern mit dem festlich geschmückten Kreuz auf den Weg zum Hochstaufen. Am Fuße des Bergs wurde es in zahlreiche kleine Teile (samt Befestigungsmaterial) zerlegt und von etwa 120 Männern auf den Gipfel getragen.

Kurz vor 12 Uhr erreichte der Zug den Gipfel was durch Freudenschüsse zum Tal verkündet und von dort mit Böllersalven erwidert wurde. Gleichzeitig begannen die Maurer und Schlosser bereits mit ihren Arbeiten. Über ein Holzgerüst wurde das Kreuz in die Halterungen eingelassen und danach die Arme angebracht. Gegen 16 Uhr war das Gipfelkreuz dann fertig aufgebaut.[4]

Sonstiges

→ Hauptartikel: Mord am Hochstaufen

Am Abend des 23. September 1993 wurden die damaligen Wirtsleute des Reichenhaller Hauses, Hans und Hannelore Klein, von zwei kroatischen Jugendlichen wegen Geld, Lebensmittel und einem Fotoapparat erschossen. Die beiden Täter wurden am 5. Oktober 1993 in Zagreb festgenommen und zu 8 & 14 Jahren Haft verurteilt. Den Opfern wird mit einer Gedenktafel an der Kapelle gedacht.

Um den 29. Juni, dem Festtag der Heiligen Peter und Paul (siehe Gipfelkreuz), findet jährlich eine Bergmesse statt.

Am Ostgrat zum Fuderheustein liegt die Felsformation Steinerne Jäger. Einer Sage nach, sollen hier zwei wildernde Jäger versteinert worden sein, die sich über die Gläubigen vom Münster St. Zeno lustig machten, statt zur Andacht zu gehen.

Vor allem in den Sommermonaten kommt es häufig zu, teils tödlichen, Bergunfällen.

Von Reichenhaller Seite sieht er meist deutlich höher aus als der höhere Zwiesel.

Einzelnachweise

  1. Toni Schmidberger: Das erste Wechselstrom-Kraftwerk in Deutschland. 1990, Seite 102
  2. Karl August Reiser: Geschichte des Blei- und Galmei-Bergwerks am Rauschenberg und Staufen in Oberbayern. Wolf, München 1895
  3. http://www.erdbeben-in-bayern.de/stationen/subnetz-reichenhall/
  4. Die Errichtung des Kreuzes auf dem Hohenstaufen