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Kärlingerhaus

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Kärlingerhaus
Kärlingerhaus NW 2015-07.jpg
Ort

Schönau am Königssee

Berg Geigen
Höhe 1638m
Koordinaten

47°29′44″N 12°56′14″E

Baujahr ?, 1890, 1903-1905
Besitzer DAV-Sektion Berchtesgaden
Öffnungszeiten ~Mitte Mai bis Mitte Oktober; Winterraum unversperrt
Beherbergung 42 Schlafplätze; 178 Matratzenlager; Winter: 20 Plätze

Kärlingerhaus (auch Funtenseehaus) ist ein Unterkunftshaus im Steinernen Meer in der Gemeinde Schönau am Königssee. Es gehört der DAV-Sektion Berchtesgaden und ist die größte und älteste Berghütte in den Berchtesgadener Alpen.

Die amtliche Adresse des Kärlingerhauses ist: Berghaus 7, 83471 Schönau am Königssee.

Lage

Das Alpenvereinshaus liegt ein kleines Stück nordwestlich des Funtensees am 1.652 Meter hohen Geigen auf 1.638m Höhe. Das Gebiet gehört zum Steinernen Meer im Nationalpark Berchtesgaden. Ganz in der Nähe ist die Staatsgrenze zu Österreich.

Beschreibung

Das Kärlingerhaus stellt ganzjährig einen wichtigen Standort für meist mehrtägige Wanderungen und Skitouren im Gebiet der Berchtesgadener Alpen dar. Dafür bietet es über 200 Schlafplätze, aufgeteilt in Betten und Matratzenplätze. Die Kapazität der Beherbergung ist nicht ganz klar. Während auf der Webseite des Hauses selbst 40 Betten und 163 Plätze im Matratzenlager angegeben sind, weist der Alpenverein 42 Betten und 178 Matratzen aus.[1][2]

Bewirtet und damit geöffnet ist das Haus normal im Zeitraum von Mitte Mai bis Mitte Oktober. Für die Sommerzeit sind alle Schlafplätze meist schon lange vorher ausgebucht. Im Winter steht ein unversperrter Raum mit 20 Schlafplätzen zur Verfügung. Für maximal zwei Hunde gibt es Boxen.

Infrastruktur

Das Kärlingerhaus hat eine eigene Wasserversorgung durch die zwei Quellen Rennergrabenquelle und Graßlquelle. Das verbrauchte Wasser wird über eine hauseigene Kleinkläranlage gereinigt.

Strom und Warmwasser werden über Photovoltaik- und Solarzellen sowie mit ein Blockheizkraftwerk gewonnen.

Für Notfälle steht ein Satellitentelefon zur Verfügung.

Geschichte

Funtenseehütte um 1900

Die Ursprünge für das Kärlingerhaus gehen auf die Gründung der Sektionen Berchtesgaden des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DuÖeV) und einem Beschluss mit der Sektion Pinzgau zurück. Die 1874 gegründete Sektion Pinzgau wollte das Steinerne Meer mit einen Weg zwischen Saalfelden und Königssee erschließen. Um das Projekt auch von bayerischer Seite stark vorantreiben zu können, gründeten die Berchtesgadener am 17. Mai 1875 die Sektion Berchtesgaden als 44. Sektion im DuÖeV. Am 3. Oktober 1875 trafen sich die Sektionen aus den Regionen Salzburg und Chiemgau zu einer Versammlung um die Erschließung festzulegen.[3]

Funtenseehaus

Nachdem der Weg im Sommer 1877 soweit fertig war, geriet eine Gesellschaft bei der Überschreitung in einen Starkregen, was die Wanderung erheblich erschwerte. Dies war der Auslöser für eine Unterkunft auf dem Weg. Nachdem Verhandlungen zur Nutzung von zwei Hütten in der Nähe gescheitert waren, konnte die Sektion am 14. August 1879 dem Forstamt eine Holzhütte am Funtensee, ca. 200 Meter nördlicher gelegen als das heutige, für 1.400 Mark abkaufen. Sie war die erste Alpenvereinshütte in den Berchtesgadener Alpen überhaupt und bot Platz für 20 Personen.[4]

Neubau

Nur zwanzig Jahre nach dem Kauf, geriet die Hütte mit über 400 Übernachtungen im Jahr 1889 an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Alpenvereinssektion zerlegte die Hütte im Sommer 1890 und baute sie größer und näher am See an einer Quelle wieder auf. Die „neue Funtenseehütte“ war deutlich geräumiger, bot nun 25 Personen eine Unterkunft und hatte einen besseren Ausblick. Dadurch stiegen die Übernachtungen noch weiter und auch Prinzregent Luitpold von Bayern besuchte die Hütte 1891 und 1893.[5]

Heutiges Haus

Hüttenschild über dem Eingang

Ab 1901 machten sich erneut schwere Platzprobleme bemerkbar, so dass Gäste teilweise überall wo sich noch eine Ecke fand, schlafen mussten.

Die Sektion begann daher ab 1903 mit einem 23,45m x 10,10m großen Neubau eines zweistöckigen „Schlafhauses“, das an das bestehende Gebäude angeschlossen wurde. Bereits Ende August waren die Maurerarbeiten soweit abgeschlossen, dass mit dem Dachbau begonnen werden konnte. Dies wurde bis zum 7. Oktober fertiggestellt. Insgesamt verbauten die Arbeiter 1.000m³ Bruchsteine, 250m³ Sand, 1.000 Zentner Kalk, 140m³ Holzbalken, 850 Boschen Schindeln, 1.000 m² Bretter, 180 Zentner Zement an Material das vorwiegend aus der direkten Umgebung kam.[6] Am 27. August 1905 war die offizielle Eröffnung.

1938 erfuhr das Haus durch eine Verbindungsbau zur alten Hütte einen weiteren Ausbau. Modernisierungen wie Waschräume, Strom und ein Funktelefon folgten in den 1960ern. 1997 kam der Anbau der Gaststube „Gregory-Stüberl“. [7] Außerdem gab und gibt es ständig Baumaßnahmen für einen aktuellen Umweltschutz, nicht zuletzt auch durch die Lage im Nationalpark.

Name

Kajetan Kaerlinger (1845-1918) war von 1900 bis 1915 der 1. Vorsitzende der DAV-Sektion Berchtesgaden. In seine Amtszeit fielen Bauten wie das Stöhrhaus und der Erweiterungsbau am Funtenseehaus. 1910 folgte ihm zu Ehren die Umbenennung von Funtenseehaus in Kärlingerhaus.

Zugänge

Wege zum Haus gibt es von allen Seiten. Der am häufigsten genutzte und kürzeste Weg ist von St. Bartholomä durch die Saugasse. Weitere Wege und Steige führen von Salet, durch das Wimbachtal und von der österreichischen Gemeinde Maria Alm auf die Hütte.

Literatur

  • DAV-Sektion Berchtesgaden: Festschrift 125 Jahre Funtenseehaus. 2004.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. https://www.kaerlingerhaus.de/die-huette/naechtigung.html
  2. https://www.alpenverein.de/DAV-Services/Huettensuche/Kaerlingerhaus/6938778/#dmdtab=oax-tab2
  3. Ulli Kastner: Vom Wegebau zum Umweltschutz – 125 Jahre Alpenvereinssektion Berchtesgaden. in: Berchtesgadener Heimatkalender 2001. S.163.
  4. DAV-Sektion Berchtesgaden: Festschrift 125 Jahre Funtenseehaus. 2004, S.8f
  5. DAV-Sektion Berchtesgaden: Festschrift 125 Jahre Funtenseehaus. 2004, S.10
  6. Alpenvereins-Sektion Berchtesgaden 1875-1904. S. 15f
  7. DAV-Sektion Berchtesgaden: Festschrift 125 Jahre Funtenseehaus. 2004, S.11-14