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Bergwacht

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Das Edelweiß ist das Logo der Bergwachten

Die Bergwacht ist eine Hilfsorganisation die in erster Linie die Bergrettung und den Rettungsdienst in Bergen durchführt.


Bergwachten

Für den Landkreis sind sechs Bergwachten zuständig, davon eine mit Schwerpunkt Höhlenrettung. Sie sind in sechs Bergrettungswachen stationiert die sich vor allem auf die bergnahen Gebiete im südlichen und mittleren Landkreis verteilen. Die Bergwachten im Landkreis sind der Bergwacht-Region Chiemgau zugeordnet und gehören zur Bergwacht Bayern die im Bayerischen Roten Kreuz, bzw. im Kreisverband Berchtesgadener Land, eingegliedert ist.

Innerhalb der Bergwacht-Region Chiemgau sind die Wachen in die Einsatzleitbereiche (ELB) Berchtesgaden und Saalachtal (sowie Trauntal und Achental außerhalb des BGL) eingeteilt.[1]

Die sechs Bergwachten sind:

Name Adresse Bild Einsatzleitbereich
Bergwacht Bad Reichenhall Reichenbachstraße 17
83435 Bad Reichenhall
Bergrettungswache-Bad Reichenhall.JPG Saalachtal
Bergwacht Berchtesgaden Vorderbrandstraße 20
83471 Berchtesgaden
Bergrettungwache-Berchtesgaden.JPG Berchtesgaden
Bergwacht Freilassing (Höhlenrettungswache Bergwacht-Region Chiemgau)
Sitz Ausrüstung
Vinzentiusstraße 58
83395 Freilassing
Industriestraße 15
83404 Ainring (Feuerwehr Ainring; Rückseite)
BRK-Haus-Freilassing.JPG Saalachtal
Bergwacht Marktschellenberg Alpenstraße 2
83487 Marktschellenberg (bei der Feuerwehr)
Bergrettungswache-Marktschellenberg.JPG Berchtesgaden
Bergwacht Ramsau Im Tal 2
83486 Ramsau bei Berchtesgaden (hinterm Rathaus)
Bergrettungswache-Ramsau.JPG Berchtesgaden
Bergwacht Teisendorf-Anger Zwieselstraße (zwischen 5 und 7)
83317 Teisendorf
Bergrettungswache-Teisendorf Anger.JPG Saalachtal

Zum ELB Berchtesgaden gehört außerdem noch die Ergänzende Bergrettungswache Altötting.

Geschichte

Dieser Artikel behandelt die allgemeine Geschichte der Bergrettung und Bergwachten in Bayern. Die Geschichte der einzelnen Bergwachten ist in den jeweiligen Artikeln aufgeführt.

Vorgeschichte

Die mittige Felswand ist die Gurrwand; Blickrichtung nach Hallthurm

Der erste heute noch bekannte Bergunfall im Landkreis geschah im Januar 1631. Maria (Anna) Gründtner verunglückte am Sattel Totes Weib (2085m) im Steinernen Meer in einem Schneesturm. An sie erinnert ein alter Gedenkstein am Sattel.[2]

Vermutlich erst über 200 Jahre später, kam es am 31. Juli 1845 erstmalig zu einer organisierten und darüber berichteten Bergrettung. Am Tag zuvor war der Salzburger Buchdruckergehilfe Michael Gißhammer seit dem frühen Morgen unterwegs von Hallthurm auf den Untersberg u.a. zur Zehnkaseralm. In einer Felswand (Gurnwand, heute Gurrwand genannt) oberhalb der Baumgrenze verlor er den Weg, sah jedoch etwas unterhalb einen Platz mit reichhaltiger Vegetation zu der er dann abstieg um Pflanzen zu sammeln. Nach der Sammlung fand Gißhammer den Weg hinauf jedoch nicht mehr, so dass er an der steilen Felswand mehrfach umher kletterte und mit Schreien und Schüssen auf sich Aufmerksam machte, jedoch ohne echten Erfolg. Während sich der Verstiegene nach mehreren Stunden oberhalb von Hallthurm nun aus Ästen und seiner Kleidung eine Kette/Seil baute, hörte er eine Person den Berg rauf kommen, welche die neuerlichen Hilferufe wohl bemerkte und schnell wieder zurück lief, aber dann nicht mehr auftauchte. Am nächsten Morgen in aller Frühe kamen vier Männer, Salinen-Holz und Straßenarbeiter der Berchtesgadener Saline, dem erschöpften Pflanzensammler zur Hilfe und begannen sodann mit der Rettung von einem etwas darunterliegenden Felsenturm. Mit großer Mühe konnten sie ihm mittels Stangen ein Seil nach oben reichen und ihn dann langsam abseilen. Die Retter, inzwischen waren es um die 20, brachten den Mann dann runter und versorgten den völlig Erschöpften mit Wasser und Brot. Zum Abschluss der Bergung feuerten die Saliner noch die Pistole vor lauter Freude ab. Danach kam er nach Berchtesgaden ins Spital, wo sich Gißhammer die nächsten Tage erholte. Die Retter wurden anschließend vom Königlichen Landgericht Berchtesgaden gelobigt.[3]

Alpenverein

Die Wurzeln der Bergrettung gehen auf die Alpenvereine zurück. Mit der Gründung der Alpenvereine OeAV 1862 und DAV 1869, ihrer Sektionen und des Zusammenschlusses 1873 zum DuOeAV (Deutscher und Österreichischer Alpenverein) begann eine intensive Zugänglichmachung (u.a. durch Berghütten und Bergführern) der heimischen Berge für Fremde.

Ab 1870 hatten die Bergführer im südlichen Landkreis eine Bergführerordnung, die sie zu einer Suche nach Vermissten verpflichtete.[4] Dann bekamen alle Bergführer eine Ausbildung in Erster Hilfe. Außerdem leisteten sie bereits freiwillig und aus eigener Überzeugung Rettungen in den Bergen. Als 1885 am Matterhorn ein schwerer Bergunfall geschah, wurden alle Führer anschließend bei Bergunfällen zur Hilfeleistung verpflichtet.

Als sehr folgenreich stellte sich der tödliche Bergunfall des Alpinisten Heinrich Pfannl am 8. März 1896 im Raxmassiv, Niederösterreich heraus. Der Bruder des Vermissten startete mit Einheimischen eine Suchaktion, die aber erst nach Tagen wirklich anlief und nochmal Tage für die Suche selbst brauchte, bis sie den Alpinisten und seine Begleiter schließlich tot fanden. Vor allem eine nicht existierende Einrichtung zur Hilfeleistung war daraufhin Thema bei der zuständigen Sektion Reichenau.[5]

Gründung Bergrettung

Gedenktafel des Bergunfalls im Raxmassiv

Noch im gleichen Monat kam der „Central-Ausschuss“ des DuOeAV bei einem Antrag der Sektion Reichenau zur Erkenntnis, dass die meisten Rettungen bisher die Suche und Bergung von Toten waren und es besser wäre, Personen in Notlagen frühzeitig zu retten, bevor sie in ernsthafte Gefahr geraten. Auch die zwingend erforderliche Finanzierung der Rettung war bereits ein Thema, wobei die Hilfe bereits als Ehrenpflicht angesehen wurde. Der Alpenverein gab daraufhin im Mai des gleichen Jahres Anregungen und Empfehlungen zur allgemeinen Bergrettung an die Sektionen heraus.

Die Sektion gründete anschließend am 22. Mai 1896 mit den anderen Vereinen das „Alpine Rettungscomité Wien“ (ein Jahr später in „Alpiner Rettungsausschuss Wien“ (ARAW) umbenannt) als erste Bergrettungsgesellschaft. Weitere Lokalstellen der einzelnen Vereine folgten noch im gleichen Jahr. 1901 folgte die „Alpine Rettungsgesellschaft Salzburg“ die neben den österreichischen Gebieten Osttirol, Salzkammergut und Salzburg auch für die bayerischen Gebirge Berchtesgadener Alpen und Chiemgauer Alpen zuständig waren. Die Reichenhaller Alpenvereinssektion gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Salzburger Gesellschaft und trat dieser mit der am 17. Juni 1902 neu gegründeten „Alpine Rettungsstation Reichenhall“ bei, Berchtesgaden folgte kurz darauf. 1903 kam es zu einer Neuorganisation der Bergrettung mit der direkten Organisation vom DuOeAV aus, was die Auflösungen der einzelnen Rettungsgesellschaften bedeutete.[6][7]

Gründung Bergwacht

Der Name Bergwacht war in der Gründungszeit wörtlich zu nehmen. Durch die Armut nach dem Ersten Weltkrieg strömten viele Personen in die Berge um sie regelrecht auszuräumen. Dabei sammelten sie etwa massenhaft Alpenpflanzen und brachen Berghütten auf, um alles Erbeutete dann verkaufen zu können. Daraufhin trafen sich im Februar 1920 alle bergnahen Vereine (u.a. Alpenverein und Naturfreunde) zur Problemlösung. Das Ergebnis war kurz darauf die „Bergwacht“, deren Ziel „der Schutz der Berge vor den Menschen“ war. Zu ihren Aufgaben gehörten Merkblätter, Marterl und Kontrolle von Blumenläden.

Nach der Rettung eines Verunglückten durch eine Bergwachtgruppe 1920, bekamen alle Bergwachtler eine Sanitätsausbildung, was somit der erste Schritt zur heutigen Bergwacht war und außerdem eine gewisse Konkurrenz zur bereits bestehenden Bergrettung der Alpenvereine darstellte.[6]

Am 24. Mai 1924 gründeten die meisten regionalen Alpenvereine, Naturfreunde und die Bergwacht zusammen die „Bergwachtabteilung Chiemgau“ mit den Aufgaben:

  • Pflanzenschutz
  • alpines Rettungswesen
  • alpine Sitten in den Bergen

Konkurrenz Bergrettung, Bergwacht und Rotes Kreuz

1925 führte der DuOeAV Landesstellen ein und übertrug das alpine Rettungswesen des Alpenvereins auf die Bergwacht („Grünes Kreuz“) mit der neuen Bezeichnung „Landesstelle Bayern für das alpine Rettungswesen des DuOeAV“ mit Sitz in München. Unter anderem wegen der Anbindung zur Bergwacht in München (statt zur näheren in Salzburg) und deren Erweiterungsbestreben in andere Bereiche (z.B. Sanitätsdienst und Verkehrsunfälle), gab es mit mehreren Sektionen Auseinandersetzungen und Austritte aus der Bergwacht. Während dieser Zeit waren teilweise die Sektionen des Alpenvereins und die Bergwacht gleichzeitig in der Bergrettung tätig. Näheres hierzu siehe Bergwacht Bad Reichenhall#Geschichte

Fast zeitgleich mit der Auseinandersetzung zwischen den Alpenvereinssektionen und der Bergwacht, gründete auch noch das Rote Kreuz 1924 den „Gebirgsunfalldienst des Roten Kreuzes (GUD)“, womit sich dann gebietsweise drei Dienste für die Bergrettung zuständig sahen. Diese Konkurrenzsituation wurde am 20. Oktober 1931 mit einem Vertrag gelöst, in dem alle drei Parteien die Zuständigkeiten festlegten. 1932 löste das Rote Kreuz den Vertrag und ihren Gebirgsunfalldienst wieder auf.[8]

Nationalsozialismus

Nach dem Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten 1933 ließ die Regierung diverse Organisationen verbieten. Im Bereich der alpinen Vereine betraf dies die Naturfreunde, die damit auch aus der Bergwacht entfernt wurden. Die Vereinsmitglieder selbst mussten nach der Auflösung entweder Mitglied im Alpenverein werden oder ihre Bergwachttätigkeiten einstellen.

Im Januar 1937 fand aufgrund eines starken Schneefalls eine Bergrettung in der Watzmann-Ostwand statt. Da Hitler gerade in Berchtesgaden war, stellte er der Bergwacht medienwirksam seinen Geländewagen zur Verfügung. Als Folge dieser Aktion erhielt die Bergwacht vom Staat einen ganzen Fuhrpark an geländegängigen Fahrzeugen.

Mitte 1939 folgte die Umbenennung der Bergwacht in „Deutsche Bergwacht im Deutschen Alpenverein, Landesführung Bayern e.V.“ und einer Neustrukturierung der Bergrettung. Ab 1944 mussten die Bergretter zusätzlich zur normalen Tätigkeit auch nach abgesprungenen Soldaten der Luftwaffe Ausschau halten und sie bergen. Dadurch bekam die Bergwacht dann den neuen Namen „DAV-Bergrettungsdienst“ und es folgte die Abtrennung des Naturschutzes, der ab dann den Namen „DAV-Naturschutzdienst“ trug. Ab Oktober des Jahres hatten die Bergretter auf Anordnung sofortige Einsatzbereitschaft bei Fliegeralarm und sie unterstanden dann dem Wehrmachtsgesetz.

Nach dem Krieg boten die Bergretter den Alliierten ihre Hilfe an, um sie bei der Suche nach verbliebenen deutschen Soldaten und NSDAP-Mitgliedern in den Bergen zu unterstützen.[9]

Nachkriegszeit & Eingliederung BRK

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ist das Bayerische Rote Kreuz im September 1945 mit der Durchführung des alpinen Sanitäts- und Rettungsdienstes betraut worden, wodurch die Bergwacht nun nicht mehr zum Alpenverein gehörte sondern dem BRK zugeordnet wurde. Die Bergrettung erhielt wieder ihren Namen „Bergwacht“ und die einzelnen Stellen bekamen den Präfix „Bergwachtbereitschaften“. Auch der Naturschutz zog wieder in die Bergwacht ein. 1947 bekam die Bergwacht dann eine eigene Satzung und erneut eine Namensänderung zu „Bayerische Bergwacht im Bayerischen Roten Kreuz“.[10]

Ab den 1960ern begann zunehmend eine Unterstützung von Hubschraubern bei Rettungseinsätzen.

Durch das am 11. Januar 1974 in Kraft getretene Bayerische Rettungsdienstgesetz haben die Bergwachten seitdem eine permanente Pflicht zur Einsatzbereitschaft. Dafür können sie nun ihre Einsätze mit den Sozialversicherungsträgern abrechnen.

Seit 2008 sind die Wachen in Einsatzleitbereiche unterteilt, siehe #Bergwachten.

Aufgaben

Gesetzliche Grundlagen

Die Berg- und Höhlenrettung ist im Bayerischen Rettungsdienstgesetz wie folgt definiert:

Berg- und Höhlenrettung ist die Rettung verletzter, erkrankter oder hilfloser Personen aus Gefahrenlagen im Gebirge, im unwegsamen Gelände und in Höhlen, die Beförderung dieser Personen bis zu einer Stelle, die zu deren Übergabe an den Land- oder Luftrettungsdienst geeignet ist, im Ausnahmefall auch bis in eine für die weitere Versorgung geeignete Behandlungseinrichtung, sowie die medizinische Versorgung dieser Personen am Einsatzort und während der Beförderung.

– Artikel 2 (11) BayRDG [11]

Nach Artikel 17 wird die Berg- und Höhlenrettung der „Bergwacht Bayern im Bayerischen Roten Kreuz oder im Rahmen eines Auswahlverfahrens geeigneten privaten Berg- und Höhlenrettungsunternehmen“ übertragen.

Bergrettung

Gebirgstrage mit Seilsicherung

Bergrettungen bilden den größten Block aller Einsätze und sind genauso vielfältig wie die Berge selbst. Zu den Hauptaufgaben gehört die Lokalisierung von Personen im Gelände und deren sicherer Abtransport ins Tal. Soweit nötig erfolgt außerdem eine medizinische Erstversorgung und nach dem Abtransport die Übergabe an den Landrettungsdienst. Einsätze gibt es das ganze Jahr über und sie reichen von einfachen Fällen, die per telefonischer Hilfe gelöst werden können, bis zu schwersten Bergungen in verschneiten und steilen Felswänden.

Durch den Bergtourismus und immer neuen Trendsportarten steigen die Unfälle und Einsatzzahlen jährlich.

Suche

Rettungshubschrauber Christoph 14; Zur Bergrettung verfügt er über Rettungstaue

Die Suche und Lokalisierung von in Bergnot geratenen Personen gestaltet sich sehr unterschiedlich. Dies reicht von unbedeutenden Kurzsuchen in der Nähe von Berghütten oder Forststraßen bis zu stunden- oder tagelangen Großsuchen, bei fehlenden, unklaren oder gänzlich falschen Positionsangaben.

Die Lokalisierung geschieht oft gleichzeitig auf mehrere Arten. Während an geeigneten Standorten Bergretter mit Ferngläsern und Teleskopen das Gebiet absuchen, machen sich Bergwachtgruppen über Forststraßen und Wege mit Fahrzeugen und zu Fuß auf in die vermuteten Gebiete. Dabei wird möglichst auch Telefonkontakt zum Gesuchten gehalten. Falls notwendig und wetterlich möglich, kommt zusätzlich ein Hubschrauber zum Einsatz, eventuell sogar ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera. Auch die Hüttenwirte werden befragt und begeben sich manchmal selbst auf die Suche in der näheren Umgebung. Sofern erforderlich, haben einige Bergwachtler auch Such- oder Lawinenhunde dabei.

Bereits die Suche nach den Personen bedeutet nicht selten eine erhebliche Gefahr für die Bergretter selbst (etwa durch Lawinen im Winter).

Rettung

All Terrain Vehicle (ATV) mit Raupenkette für Wintereinsätze

Eine einheitliche Rettung ist durch die Fülle an möglichen Szenarien nicht möglich und wird deswegen immer auf den Einsatz abgestimmt. Einfache Fälle können innerhalb kurzer Zeit über Forststraßen gelöst werden. Schwieriger sind Fälle auf alpinen Wegen oder im komplett unwegsamen Gelände wie z.B: in Klettersteigen.

Bevor eine Rettung durchgeführt werden kann, erfolgt bei Verletzten eine medizinische Erstversorgung, falls nötig auch durch den Bergwachtnotarzt. Danach folgt der sichere Abtransport von der Einsatzstelle mit einem geeigneten Mittel der Wahl. Neben den geländegängigen Fahrzeugen gehören dazu z.B. das Abseilen, die Radtrage und vor allem im Winter auch der Transportschlitten Akia. Zusätzlich kann bei Erfordernis auch ein Hubschrauber, vorwiegend der Traunsteiner Rettungshubschrauber Christoph 14, den Abtransport erheblich beschleunigen.

Höhlenrettung

Trotz sehr vieler Höhlen in dem heimischen Gebirgen (alleine im Untersberg gibt es mehrere Hundert), sind Höhlenrettungseinsätze sehr selten und eher die Ausnahme.

Die Höhlenrettung stellt besonders hohe Anforderungen an die Rettungsgruppen. Neben der normalen Ausbildung zum Bergretter brauchen Höhlenretter auch Erfahrungen in Bereichen wie Untertage-Fortbewegung, Tauchen und der speziellen Bergung in Höhlen (z.B. mittels Höhlenseilbahn).

In der Region ist dafür in erster Linie die Freilassinger Höhlenrettung zuständig.

Natur & Umweltschutz

Natur- und Umweltschutz, sowie die Bewachung der heimischen Flora, war die ursprüngliche Aufgabe der „Bergwacht“ (siehe #Gründung Bergwacht) und bereits ein wichtiges Thema, als noch die Alpenvereine die Bergrettung durchführten. Der Naturschutz wird auch heute noch genauso wichtig betrachtet und entsprechen betrieben.

Nach der Ordnung der Bayerischen Bergwacht zählen zu den Aufgaben der Bergwacht traditionell auch der Natur- und Umweltschutz sowie die Landschaftspflege.[12] Um ein aktiver Bergretter werden zu können, ist nach wie vor eine Grundausbildung im Naturschutz samt Prüfung von der Bergwacht Bayern vorgeschrieben.[13]

Andere

Zu den weiteren Aufgaben der Bergwacht gehören unter anderem die Tierrettung und die Bergung von Gegenständen.

Auch in auf den ersten Blick eher ungewöhnlichen Bereichen, leistet die Bergwacht Hilfe. So müssen die Bergretter z.B. auch bei Verkehrsunfällen ausrücken, etwa wenn Fahrzeuge in unwegsames Gelände oder über Böschungen abgestürzt sind. Und auch bei Waldbränden und in Türmen werden sie aktiv.

Sonstiges

Bergwacht Berchtesgaden mit Tankanhänger

Bei der Bergrettungswache Berchtesgaden ist ein Kerosin-Tankhänger stationiert um Rettungshubschrauber schnell betanken zu können und ihnen einen längeren Ausfall wegen eines Tankflugs zu ersparen. Dadurch sind die Hubschrauber nach kurzer Zeit bereits wieder einsatzbereit.

Finanzierung

Trotz der Zugehörigkeit zum Bayerischen Roten Kreuz, verwalten die einzelnen Bergwachten ihre Finanzen komplett selbst. Das Vermögen der Bayerischen Bergwacht ist ein Sondervermögen des Bayerischen Roten Kreuzes für die Zwecke der Bergwacht.[14]

Die Finanzierung geschieht auf vier Arten: Durch den Staat, durch Einsatzkosten, durch das Rote Kreuz und durch Spenden und Zuwendungen Dritter (etwa Förderer).

Staatlich

Der Staat erstattet die Kosten nur für Ausrüstungsgegenstände die in der Regel mindestens drei Jahre genutzt werden, wie etwa Fahrzeuge und Geräte, sofern sie nicht bereits durch Zuwendungen Dritter finanziert sind. Laut dem Bayerischen Rettungsdienstgesetz, Art. 33 umfasst dies:

  • Kommunikations- und informationstechnische Ausstattung der Bergrettungswachen und Wasserrettungsstationen
  • Einsatzfahrzeuge und ihre Ausstattung
  • Rettungsboote und ihre Ausstattung
  • Sondergeräte
  • Fernmeldegeräte
  • spezielle Einsatzleitsoftware und Geodaten

Nicht von staatlicher Seite werden Investitionsgüter mit einer gewöhnlichen Nutzungsdauer von bis zu drei Jahren (etwa Verbrauchsgüter) erstattet. Diese müssen auf eine der anderen Arten finanziert werden.

Daneben gibt es von den staatlichen Stellen auch noch freiwillige Förderungen oder Zuwendungen.

Einsatzkosten

Nach Artikel 36 BayRDG können die Bergwachten ein Benutzungsentgelt für ihre Leistungen erheben. Die Mitglieder der Bergwachten selbst sind grundsätzlich ehrenamtlich tätig[15], ihre Arbeit und das Material sind jedoch kostenpflichtig. Je nach Einsatzart werden die Kosten von den Sozialversicherungsträgern (meist Krankenkassen) getragen oder direkt mit den geretteten Personen abgerechnet.[16]

Die Einsatzkosten richten sich nach der Art des Einsatzes und weiteren Faktoren wie etwa der Dauer und dem eingesetzten Personal und werden bis auf Ausnahmen über Pauschalen berechnet. Dazu können noch weitere Kosten für zusätzlich beteiligte Hilfsorganisationen und Hubschrauber kommen, die diese separat abrechnen. Einsätze mit Verletzten werden normal direkt von den Sozialversicherungsträgern zu festgelegten Pauschalen abgerechnet. Einsätze die nicht in diese Art der Rettung fallen, müssen von den Geretteten selbst bezahlt werden.

Die abgerechneten Einsatzkosten decken jedoch die tatsächlichen Kosten eines Einsatzes normal nicht oder nur unzureichend.[17]

BRK

Das Bayerische Rote Kreuz als Träger der Bergwachten, unterstützt diese vor allem im räumlichen Bereich. Die Bergretter bekommen z.B. soweit nötig und platzmäßig möglich Garagen und andere Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.

Spenden

Durch die gesetzlich vorgeschriebene ständige Einsatzbereitschaft, muss die Bergwacht eine große Zahl von Wachen, Fahrzeugen und weiterem Material bereit halten. Auch die Einsätze sind teuer und werden nur teilweise von den tatsächlich berechneten Kosten gedeckt. So entstehen der Bergwacht Bayern und ihren Wachen jährlich ein Defizit von über 2,4 Millionen Euro.[17]

Dieses Defizit kann nur durch Spenden von freiwilligen Spendern und Förderern gedeckt werden, wofür viele Bergrettungswachen gemeinnützige Fördervereine haben.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.bergwacht-bayern.org/index.php?id=chiemgau&L=%27A%3D0
  2. A. Helm, Max Wembacher: Tödliche Bergunfälle in den Berchtesgadener Alpen. 1981.
  3. https://books.google.de/books?id=NjZPAAAAcAAJ&pg=PA149&lpg=PA149
  4. Gerhard Opperer: Unter dem Grünen Kreuz.
  5. https://www.planet-wissen.de/natur/gebirge/eroberung_der_berge/pwiediebergwacht100.html
  6. 6,0 6,1 http://www.bergwacht-bayern.org/index.php?id=5526
  7. Der Gebirgsfreund Jg. 117 / Frühling
  8. Bernhard Lauber: 100 Jahre organisierte Bergrettung in Bad Reichenhall. 2002, S. 58-84.
  9. Bernhard Lauber: 100 Jahre organisierte Bergrettung in Bad Reichenhall. 2002, S. 86-113.
  10. Bernhard Lauber: 100 Jahre organisierte Bergrettung in Bad Reichenhall. 2002, S. 116-117.
  11. Bayerisches Rettungsdienstgesetz, Artikel 2 (11)
  12. Ordnung der Bergwacht Bayern im Bayerischen Roten Kreuz vom 28. November 2016. §3
  13. Ausbildung & Qualifikationen in der Bergwacht Bayern
  14. Ordnung der Bergwacht Bayern im Bayerischen Roten Kreuz vom 28. November 2016. §19
  15. Ordnung der Bergwacht Bayern im Bayerischen Roten Kreuz vom 28. November 2016. §5 (1)
  16. Bayerisches Rettungsdienstgesetz, Artikel 36
  17. 17,0 17,1 http://www.bergwacht-bayern.org/index.php?id=26&L=zsrswhdnwq