Hallthurm

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Dieser Artikel beschreibt die Passhöhe Hallthurm. Zur namensgebenden Wehranlage, siehe Wehranlage Hallthurm.
Pass Hallthurm mit dem Turm, der B 20 und der Bahnstrecke

Der Hallthurm ist ein Pass auf 693m Höhe und der Hauptzugang ins ursprüngliche Berchtesgadener Land.

Er liegt am Rand des Bischofswieser Ortsteils Winkl an der Ortsgrenze zu Bayerisch Gmain und ist der geringste Abstand zwischen den Gebirgen Untersberg und Lattengebirge.

Geschichte

Reste der Wehrmauer am Untersberg in den Felssturz integriert

Der Pass erhielt seine heutige Form durch große Felsstürze von beiden Gebirgen. Von den Rotofentürmen im Lattengebirge kamen Bergsturzmassen mit hausgroßen Blöcken, die wahrscheinlich auf Eisresten bis ins Tal glitten.[1] Ein weiterer großer Felssturz brachte etwa 20 bis 100 Mio. m³ vor mehr als 10.000 Jahren vom Hirschangerkopf am Untersberg in den Pass. Deutliche Reste sind heute immer noch im Gebiet um Hallthurm zu sehen und sind teilweise als Geotop Bergsturz am Pass Hallthurm ausgewiesen.[2]

Die Berchtesgadener errichteten den Hallthurm samt Torhaus im Jahr 1194 zum Schutz gegen Reichenhall. Im Jahr zuvor waren Reichenhaller Salzarbeiter ins Berchtesgadener Land eingedrungen um die dortigen Salzanlagen in Tuval (Schellenberg) zu zerstören.[3]

1378 bauten die Herzöge von Bayern ganz in der Nähe am Lattengebirge die Burg Hagenfels. Sie wurde bereits 1384 wieder abgerissen.

Während einer ca. 10-jährigen Besetzung der Fürstpropstei Berchtesgaden um 1400 durch den Salzburger Erzbischof Pilgrim II. von Puchheim und seiner Nachfolger, wurde die Wehranlage zu einer massiven Talsperre mit Mauern bis an die Felswände der beiden Gebirge ausgebaut.[4] Die Mauern bestanden zum Teil aus den Steinen der Burg Hagenfels.

1753 bekam Hallthurm die Hallthurmer Kapelle (Reichenhaller Straße 135).

Im 19. Jahrhundert sorgte der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur für größere Abrisse. Beim Ausbau der Straße verschwand 1877 das Torhaus und ein Teil der Schutzmauer zum Untersberg fiel 1887/88 dem Bau der Bahnstrecke nach Berchtesgaden zum Opfer. Eine der ersten Dampfloks auf der Strecke trug den Namen „Hallthurm“.

Von 1902 bis 1916 gab es eine Postgehilfenstelle. Sie ist wegen des Ersten Weltkriegs eingestellt worden.

Ab 1926 stand in Hallthurm das Erholungsheim der G.d.A. Von 1942 bis 1947 war es kurzzeitig ein Ausweichkrankenhaus des Münchner Klinikums rechts der Isar. Ab 1963 war das Erholungsheim das Erholungsheim Hallthurm der Allianz-Versicherung, welches dann 1997 geschlossen wurde. Seit 2002 ist das Heim das Sozialtherapeutisches Zentrum Hallthurm[5]

Name

Der Name kommt direkt von der Funktion des Turms. Er war der Turm gegen Hall, also eine Verteidigung gegen die Reichenhaller.

Von Hallthurm leiten sich mehrere Namen in der Umgebung ab, wie etwa: Hallthurmer Spitz, Hallthurmer Berg und Hallthurmer Moos

Infrastruktur

Verkehr

Zugkreuzung im Bahnhof Hallthurm

Der Pass Hallthurm ist für den Verkehr des südlichen Landkreises von zentraler Bedeutung. Die Bundesstraße 20 bildet die Hauptanbindung der südlichen Gemeinden und kommt als Hallthurmer Berg vom mittleren Landkreis.

Daneben führt die Bahnstrecke von Freilassing über eine Steilstrecke den Pass hinauf und weiter bis nach Berchtesgaden. Hallthurm besitzt den weitestgehend stillgelegten Bahnhof Hallthurm (Reichenhaller Straße 132), der nur noch für Zugkreuzungen genutzt wird. Eine Wiederinbetriebnahme wird immer wieder diskutiert. Neben dem Bahnhof befindet sich die RVO-Bus- und Rufbus-Haltestelle Hallthurm Bahnhof.

Am Hallthurm beginnt der bis zum Naturbad Aschauerweiher verlaufende Maximiliansreitweg. Für Wanderer stehen die beiden Parkplätze Parkplatz Wehrturm und Wanderparkplatz Hallthurm zur Verfügung.

Seit Oktober 2017 ist ein kurzes Stück des Reitwegs und eine Zufahrtsstraße zu drei Anwesen als „Hallthurm Moos“ ausgeschildert. Die Gebäude gehörten zuvor zur Reichenhaller Straße.

Versorgung

Seit Anfang der 1970er ist das Gebiet an die gemeindliche Wasserversorgung angeschlossen.

Die Ferngasleitung für den südlichen Landkreis kommt aus Bayerisch Gmain den Hallthurmer Berg hinauf und führt über Hallthurm nach Berchtesgaden und Schönau am Königssee. Der Ortsteil ist mit einer eigenen Gasdruckregelstation an die Leitung angeschlossen.

Durch Hallthurm verläuft seit 1961 die Soleleitung Berchtesgaden – Hallthurm – Bad Reichenhall von Berchtesgaden nach Bad Reichenhall, wobei sich etwas oberhalb des Passes auf 728 Meter der Hochbehälter Hallthurm befindet. Sie ist ein Ersatz für die 1816 angelegte Soleleitung Berchtesgaden – Wachterl – Bad Reichenhall, die damals aus Grenzgründen hier nicht verlegt werden konnte.

Eine Mittelspannungsfreileitung führte von Bayerisch Gmain über den Pass nach Bischofswiesen. Sie wurde um 2015 teilweise als Erdkabel verlegt.

Das Gebiet gehört noch zum Ortsnetz von Bad Reichenhall (08651).

Natur

Höhleneingang zum Nixloch

Der Hang zum Untersberg ist ab dem Maximilianreitweg als Landschaftsschutzgebiet Untersberg geschützt. In diesem Schutzgebiet liegen das Geotop Bergsturz am Pass Hallthurm und das Nixloch.

Etwas südlich befindet sich das Hallthurmer Moos in dem es Versuche zum Torfabbau gab. Bei Starkregenfällen ist das Gebiet regelmäßig überflutet.

Einzelnachweise

  1. Ortwin Ganss, Sepp Grünfelder: Geologie der Berchtesgadener und Reichenhaller Alpen. 1970er, S. 94
  2. Beschreibung Geotop Bergsturz am Pass Hallthurm
  3. Andreas Fendt: Bischofswiesen im Berchtesgadener Land. 1955, S. 16.
  4. Schild „Hallthurm“ am Hallthurm.
  5. Thomas Inderst, Helmut Schonert: Geschichte der Gemeinde Bischofswiesen. 2005, S. 242.


47°42′6″N 12°56′1″E