Dalsenwinkelstraße

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Dalsenwinkelstraße
Dalsenwinkelstraße.JPG
Orte Berchtesgaden; Eck
Verlauf Nordost-Südwest
Länge 4,6 km
Fahrbahnbreite ~2,5 - 3 m
Spuren 1
Oberfläche Asphalt; Schotter
Fußwege keine
Baujahr 1937
Sanierungen 2010
Beschränkungen Zeichen 250 - Verbot für Fahrzeuge aller Art, StVO 1992.svgZeichen 101-25 - Steinschlag, Aufstellung links, StVO 2017.svg

Die Dalsenwinkelstraße (auch Dalsenwinklstraße[1]) ist eine alpine Asphalt- und Forststraße auf den Kehlstein im gemeindefreien Gebiet Eck und der Marktgemeinde Berchtesgaden.

Geschichte

Bau

→ Siehe auch: Obersalzberg#Geschichte
→ Siehe auch: Kehlsteinstraße (Berchtesgaden)

Mitte der 1930er Jahre, nachdem sich mehrere hochrangige NSDAP-Politiker in der Gnotschaft Obersalzberg ansiedelten, begann Reichsleiter Martin Bormann alsbald damit die Gebiete im Bereich Obersalzberg und Kehlstein massiv nach Hitlers und seinen Vorstellungen umzubauen.

Zu den ersten Vorhaben gehörte Ende 1936/Anfang 1937 ein ausgedehnter befahrbarer Rundweg am nördlichen bis westlichen Kehlstein mit einer Stichstraße bei der Unteren Kehlalm hinauf zur Oberen Kehlalm.[2] Die Obere Kehlalm stand ein Stück nördlich des Plateaus auf dem heute der Kehlsteinparkplatz eingerichtet ist.

Etwa ein Quartal nach Baubeginn verlegte Bormann dann plötzlich den Verlauf der Stichstraße zur Oberen Kehlalm an den Südhang den Kehlsteins mit dem Plateau als neues Streckenziel.[3] Die Straßenplanung wurde wenig später noch um das Teehaus am Kehlsteingipfel ergänzt.[4]

Grat des Kehlriedels

Aufgrund der umfangreichen Bauarbeiten am Gipfelbereich ordnete Bormann im Juni 1937 nun wieder den Bau eines Baustellenwegs von der Unteren zur Oberen Kehlalm an. Erste Planungen, die den Wegverlauf über den Kehlriedel vorsahen, scheiterten. Als Alternative wurde der Weg schließlich in den angrenzenden Dalsenwinkel verlegt und auch gleich noch zur Nutzung für Fahrzeuge verbreitert. Durch einen Vorschlag der Staatlichen Bauleitung fand eine größere Änderung des Trassenverlaufs ab der dritten Kehre nach Südosten hin mit einer Querung der Nordwand und dem Plateau als neuen Straßenende statt.[5]

Die Bauzeit der Dalsenwinkelstraße betrug gerade einmal 66 Tage.[5]

Nachkriegszeit

→ Siehe auch: Berchtesgadener Landesstiftung

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kehlsteingebiet von den US-Amerikanern beschlagnahmt und ging 1949 in den Besitz des Freistaats Bayern über. Dieser übertrug 1951 die Nutzungsrechte an den Kehlsteineinrichtungen dem Landkreis Berchtesgaden. Nach der Gründung der Berchtesgadener Landesstiftung im Jahr 1960, erhielt diese vom Freistaat die Nießbrauchrechte an der Dalsenwinkelstraße, der Kehlsteinstraße und dem Kehlsteinhaus.

Sanierung Straßendecke

Im Jahr 2008 forderte die Landesstiftung von den Bayerischen Staatsforsten Schadenersatz für die durch die Forstwirtschaft entstandenen Schäden an der Dalsenwinkelstraße. Nach längeren Genehmigungsverfahren wurde die Straße schließlich 2010 auf 1,8 Kilometern saniert und dabei auch die alte PAK-belastete Teerdecke entsorgt. Dies war zugleich der Anstoß zur umstrittenen Altlastbeseitigung auf den anderen Kehlsteinwegen.[6]

Verlauf

Querung der Nordwand

Auf Höhe des Ofnerbodens zweigt die Dalsenwinkelstraße von der Purtschellerstraße (Teil der Rossfeldpanoramastraße) in Richtung Westen ab. Von dort führt sie in mehreren Kurven, in denen andere Forststraßen einmünden, bis zum Kehlriedel, einem Nordausläufer des Kehlsteins. Dem Südosthang des Kehlriedels grob folgend, tritt die Straße in den Talkessel Dalsenwinkel ein. In diesem windet sich die Dalsenwinkelstraße in mehreren Serpentinen den Kehlstein hinauf. Nach einem längeren geraden Stück durch die Nordwand gen Westen und einer weiteren Serpentine endet die Straße schließlich am Parkplatz des Kehlsteinhauses.

Streckendaten

Übergang Schotterstraße – Asphaltstraße; Beschilderung verbietet Fahrzeuge und warnt vor Steinschlag

Die Dalsenwinkelstraße weist eine Länge von ca. 4.600 Metern auf und ist damit die kürzere der beiden Kehlsteinstraßen. Vom Beginn beim Ofnerboden in 1.170 Meter Höhe bis zum Ende am Kehlsteinparkplatz in 1.710 Meter überwindet sie 540 Höhenmeter. Die durchschnittliche Steigung beträgt dabei 11,7 Prozent.

Etwa 2,8 Kilometer der Strecke sind asphaltiert, die restlichen 1,8 Kilometer sind eine typische geschotterte Forststraße. Der Übergang befindet sich ungefähr beim Eintritt in den Dalsenwinkel auf 1.290 Meter Höhe und ist mit einem Poller versehen.

Laut Beschilderung am Übergang zum asphaltierten Teil ist das befahren mit Fahrzeugen aller Art, und damit auch für Fahrräder, verboten (Schild Zeichen 250). Jedoch geben verschiedene Wanderführer, unter anderem das Kehlsteinhaus selbst[7], die Straße als geeignet für Fahrräder an. Es muss daher immer mit Fahrradverkehr gerechnet werden, der vor allem bergwärts sehr schnell unterwegs sein kann.

Name

Der Straßenname kommt vom gleichnamigen Talkessel Dalsenwinkel, in dem sich die Straße den Berg hinauf schlängelt. Er liegt im Winkel zwischen Kehlriedel und Hochfeld.

Sonstiges

Schuttrinne über die Straße

Ein Großteil der Strecke verläuft im Wald der jedoch mit zunehmender Höhe immer lichter wird und dann den Blick ins abfallende Gelände eröffnet.

Im Dalsenwinkel führt die Dalsenwinkelstraße durch felsiges Gelände. So finden sich neben der Fahrbahn unzählige bis zu hausgroße Felsblöcke in den unterschiedlichsten Formationen. Im oberen Bereich quert zudem eine steil abfallende Schuttrinne, die vom Gipfel bis in den Dalsenwinkel reicht, die Straße. Beim Eintritt in den Talkessel warnt ein Schild vor Steinschlaggefahr.

Zwischen der Rinne und dem Kehlsteinparkplatz ist an einem hangseitigen Felsen ein Marterl für Claudia Richter angebracht. Sie kam am 17. November 2017 bei einer Lawine am Kehlstein ums Leben[8].

Einzelnachweise

  1. 20 Jahre Berchtesgadener Landesstiftung 1960-1980. 1980, Berchtesgadener Anzeiger, S. 30..
  2. Florian M. Beierl: Geschichte des Kehlsteins. 11. Auflage, Plenk Verlag, Berchtesgaden 2019, ISBN 978-3-940141-60-6, S. 18..
  3. Florian M. Beierl: Geschichte des Kehlsteins. 11. Auflage, Plenk Verlag, Berchtesgaden 2019, ISBN 978-3-940141-60-6, S. 20..
  4. Florian M. Beierl: Geschichte des Kehlsteins. 11. Auflage, Plenk Verlag, Berchtesgaden 2019, ISBN 978-3-940141-60-6, S. 24..
  5. 5,0 5,1 Florian M. Beierl: Geschichte des Kehlsteins. 11. Auflage, Plenk Verlag, Berchtesgaden 2019, ISBN 978-3-940141-60-6., S. 29.
  6. Pressekonferenz zur Altlastenbeseitigung am Kehlstein nach §13 Bundesbodenschutzgesetz am 12. März 2015
  7. https://www.kehlsteinhaus.de/erlebnis/ – "über die Dalsenwinkelstraße [...], auch für Mountainbike geeignet"
  8. https://www.kvberchtesgaden.brk.de/brk-bgl/aktuelles/10674-19-11-2017-einheimische-skitourengeherin-stuerzt-bei-lawinenabgang-am-kehlstein-toedlich-ab.html