Surspeicher

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Surspeicher
Surspeicher.JPG
Orte Teisendorf; Petting (Lkr. Traunstein)
Höhe 464,00 m
Zufluss Sur
Abfluss Sur
Entstehungszeit 1965–1968
Fläche 7 bis 67 ha
Länge 800 m
Breite 242 m
Volumen max. 5,73 Mio. m³
Besonderheiten Stausee

Der Surspeicher (auch: Surtalsperre) ist ein Stausee zum Hochwasserschutz mit angeschlossenem Wasserkraftwerk in der Sur bei Teisendorf und Petting (Landkreis Traunstein).

Lage & Zugänge

Der See befindet sich am äußersten nördlichen Rand der Marktgemeinde Teisendorf zwischen den Ortsteilen Schleifmühl im Norden, Breitenloh im Westen und Doppel sowie Wimm im Osten. Fast die komplette Kraftwerksanlage und ein geringer Teil des Stausees liegen im Gebiet der Nachbargemeinde Petting im Landkreis Traunstein.

Zugänglich ist die Anlage über zwei eingeschränkt öffentliche Straßen aus Petting und zwei Forststraßen aus Teisendorf. Vom Pettinger Ortsteil Ringham aus führt die Oberdorfstraße zum nördlich des Speichers gelegenen Ort Furt. Kurz vor Furt zweigt eine kleinere für Kfz gesperrte Straße nach Süden ab und verläuft durch einen Lagerplatz bis zum Kraftwerk. Die zweite Straße geht direkt bei Furt von der Oberdorfstraße in Richtung Süden ab und überquert hierbei die Sur. Anschließend führt sie zum Teisendorfer Ortsteil Schleifmühl und dann weiter als ebenfalls für Kfz gesperrte Straße bis über den Damm. Die Forststraßen führen beidseits des Speichersees durch Waldgebiet von Oberstarz und Doppel bis zum Damm und schließen hier an die Straße von Schleifmühl an.

Über den Staudamm verlaufen mehrere regionale Wanderwege, darunter der Stausee-Rundweg (Nr. 8), der Lußer Stauseeweg (Nr. 13), der Surspeicherweg (Nr. 43) und der Moor und Moos-Radweg.

Zweck

Zweck des Surspeichers ist in erster Linie der Schutz der flussabwärts liegenden Gemeinden Petting, Saaldorf-Surheim, Ainring und Freilassing vor Überflutungen durch auftretendes Hochwasser. Hierzu kann der Speicher bei Bedarf nahezu 6 Millionen Liter Wasser aufnehmen.[1] Des Weiteren wird er auch zur Niedrigwasseraufhöhung sowie zur Stromerzeugung genutzt.

Eigentümer

Sowohl der See als auch das Kraftwerk sind im staatlichen Besitz und gehören dem Freistaat Bayern. Für den See ist das Wasserwirtschaftsamt Traunstein zuständig und Betreiber des Kraftwerks ist das staatseigene Unternehmen Bayerische Landeskraftwerke GmbH.

Anlage

Speichersee

Der Speichersee ist ein etwas schmalerer langgezogener Stausee in Nord-Süd-Ausrichtung innerhalb eines engen Talabschnitts der Sur bei Flusskilometer 24,22[2]. Bis zur Sperranlage ist er vollständig in einem Waldgebiet versteckt. Die Uferbereiche gehen an einigen Stellen direkt in Wald über und bilden sonst flache Zonen mit vorwiegend niedrigem Bewuchs, die beim Aufstauen auch überflutet werden und dann das Seegebiet vergrößern.

Sedimentablagerungen an der Uferbepflanzung durch wechselnden Wasserstand

Durch die uneinheitliche Seefläche zwischen Grundsee und Stausee, weist der Surspeicher je nach Wasserstand stark unterschiedliche Abmessungen auf. Seine Wasserfläche erstreckt sich auf ein Gebiet von 7 bis höchstens 67 Hektar bei einer Länge von grob bis zu 900 Metern und einer maximalen Breite von 242 Metern im Norden am Staudamm. Der Wasserstand kann um bis zu 23 Meter schwanken. Der tiefstmögliche Wert liegt hierbei bei 457,00 m über NN und entspricht in etwa der kompletten Entleerung. Das reguläre Stauziel ist jedoch ein sieben Meter hoher Grundsee bis zur Berme 1 und einem Wasserstand von 464,00 m über NN.[3]. Vollständig gefüllt ist der See bei 478,25 m über NN. Im Falle von Hochwasserereignissen kann die Stauung jedoch auf 480,13 m über NN erhöht werden und liegt dann nur noch gut einen Meter unter der Dammkrone.[4] Zu den bisherigen Höchstständen des Sees siehe Pegel Surspeicher Seepegel.

Aufgrund einer Verordnung der Gemeinde Petting, ist das Baden im gesamten Surspeicher verboten.[5]

Staudamm

Staudamm

Aufgestaut wird die Sur an einem 242 Meter langen, 24,45 Meter hohen[6] und 140 Meter breiten [3] Staudamm zu einem Speichersee. Der Damm ist ein Erddamm mit einem Dichtkern aus Lehm. Dieser Lehmkern erstreckt sich im Boden als Dichtungsteppich von der Dammmitte aus rund 80 Meter in Richtung See und gut 20 Meter zur Luftseite. Weiters ragt er mittig als mehrere Meter dicker Kern bis zur Krone. Dem aufragenden Teil sind beidseitig eine Zone aus Moränenkies und eine Filterschicht nachgelagert. Den Schichten anschließend, folgt auf beiden Seiten eine massive Kiesschicht als Stützkörper und auf der Wasserseite noch eine Steinschicht mit Grasbewuchs.[3] Die Luftseite ist durch zwei Berme in drei Abschnitte unterteilt und als Blumenwiese gestaltet. Über die Dammkrone führt ein asphaltierter und beleuchteter Fahrweg der im Osten an die Betriebsstraße von Schleifmühl anschließt und im Westen an eine Forststraße.

Wasserseite des Damms

Für den Betrieb der Hochwasser- und Kraftwerksanlagen durchqueren den Damm drei Stollen, der Betriebsauslass und der Grundauslass im Untergrund sowie die Hochwasserentlastung im oberen Bauwerksdrittel. Der Betriebsauslass befindet sich leicht westlich der Dammmitte und versorgt das Kraftwerk mit bis zu 11 m³ Wasser pro Sekunde. Etwas östlich der Mitte, auf Höhe des Schieberschachts, ist der 177 Meter lange Grundauslass eingerichtet, mit dem aus dem See maximal 75 m³/s abgelassen werden können. Der Schieberschacht reicht von der Dammkrone 27 Meter tief bis in den Grundauslass und steuert dessen Durchfluss mittels Stahlschieber. Der dritte Stollen befindet sich am Ostende des Damms und dient der Hochwasserentlastung des Sees. Er tritt in Aktion sobald der Wasserstand über das Vollstauziel hinaus geht und kann dann bis zu 150 m³ Wasser pro Sekunde aus dem See abführen. Sowohl der Grundauslass als auch die Hochwasserentlastung münden neben dem Kraftwerk ins Tosbecken und fließen wieder der Sur zu.[7][3]

Grenzkreuz

Für Wanderer und Interessierte sind auf der Hochwasserentlastung eine Picknickbank und daneben Informationsschilder zum Surspeicher und zur Sur aufgestellt. Weiters steht auf dem Damm an der Stelle der Gemeinde- und Landkreisgrenze ein großes Holzkreuz mit fünf Wappen und einer Tafel. Die mittig angebrachte Tafel umreißt kurz die Geschichte der Grenzen zwischen Bayern und Salzburg, den Landkreisen bis zur Gemeindegebietsreform und dem Grenzverlauf durch den Surspeicher. Darüber hängt das kleine Bayerische Staatswappen. Linksseitig befinden sich die Wappen des Landkreises Berchtesgadener Land und der Marktgemeinde Teisendorf und rechtsseitig die Wappen des Landkreises Traunstein und der Gemeinde Petting.

Kraftwerk

Wasserkraftwerk; rechts das Tosbecken

Etwa 90 Meter nördlich des Staudamms stehen die Gebäude des Wasserkraftwerks. Vom Damm aus führt ein Stollen mit 18 Meter Fallhöhe zum Krafthaus und treibt dort zwei gekoppelte Francisturbinen an, die mit einem Asynchrongenerator verbunden sind. Der vom Generator erzeugte Strom wird direkt der im Haus befindlichen Trafostation "TH305359 Surspeicher" zugeführt und ins Stromnetz eingespeist. Die Leistung der Anlage beträgt 250 kW mit einem Regelarbeitsvermögen von 0,8 Millionen kWh im Jahr.[1]

Adressmäßig gehört die Anlage zum nördlich gelegenen Ortsteil Furt der Gemeinde Petting, wobei das Krafthaus die Hausnummer 4 trägt.

Geschichte

Gebaut wurde die Anlage von 1965 bis 1968 für 14 Millionen DM vom Freistaat Bayern zum Schutz der unterhalb des Speichers liegenden Gemeinden vor Hochwassergefahren.[3] Im Jahr 1998 erhielt das Kraftwerk eine neue Schalt- und Regeltechnik. Von 2013 bis 2015 wurde eine Revision der Turbinen- und Generatorenanlage vorgenommen und der Transformator ersetzt.[1]

Erstmals am 2. und 3. Juni 2013, während des Hochwassers von 2013, erfuhr der Surspeicher eine vollständige Füllung bei einem Wasserstand von 278,30 m über NN.[8] Er lag damit sogar geringfügig über dem Vollstauziel von 278,25 m über NN. Durch das Zurückhalten der Wassermassen, wurden die unterhalb des Speichers liegenden Orte vom einem Hochwasser verschont.[9]

Trivia

Bis zur Anlage des Surspeichers gab es im Gemeindegebiet von Teisendorf keine größeren Stehgewässer, lediglich einige Flachgewässer wie Teiche und Weiher waren zu finden.

Weblinks

Einzelnachweise