Gemeindegebietsreform

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Die Gemeindegebietsreform in Bayern war eine Neuordnung der Verwaltungseinheiten (Gemeinden und Landkreise) in den 1970ern in Bayern. Sie hatte das Ziel, zahlreiche kleine Landkreise und Gemeinden zu stärkeren Gebietskörperschaften zusammenzulegen.

Entstehung Landkreise und Gemeinden bis 1972

Obmannschaften waren jahrhundertelang die Verwaltungseinheiten für mehrere kleine Ortschaften (etwa Ortsteile). Nach ihrer Auflösung 1802 gingen aus ihnen 1808 die Steuerdistrikte hervor. Diese wiederum gingen bis 1818 mit den Gemeindeedikten in die Städte und Gemeinden auf.[1]

Zum 1. Juli 1862 entstanden in Bayern aus den alten Landgerichten die Bezirksämter um eine Trennung von Justiz und Verwaltung zu erreichen.[2] Durch die Dritte Verordnung über den Neuaufbau des Reichs änderte sich der Name zum 1. Januar 1939 von „Bezirksamt“ in „Landkreis“ und aus dem „Bezirksoberamtmann“ wurde der „Landrat“.[3]

Gebietsreform 1971-1980

In den 1960ern gab es in Bayern über 6.000 Gemeinden und 143 Landkreise mit durchschnittlich nur 47.500 Einwohnern. Die vielen kleinen Gemeinden und Landkreise, vor allem die Ländlichen, waren wirtschaftlich meist nur schwach aufgestellt und konnten weniger bieten als die Großen, was eine Landflucht begünstigte. Daher begann die Bayerische Staatsregierung 1967 mit den Planungen für eine Gemeindegebietsreform in Bayern. Das Ergebnis war die Zusammenlegung von wirtschaftlich schwachen mit starken Gebieten und der Eingliederung von kreisfreien Städten zu wirtschaftlich ausgeglichenen Landkreisen und Gemeinden.[4] Der Beschluss dazu war am 16. April 1970 das Gesetz zur Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung.

Die Umsetzung der Reform fing im Jahr 1971 an und dauerte bis 1980, wobei die Schwerpunkte auf den Jahren 1972 und 1978 lagen. Am 1. Juli 1972 erfolgte die Neugliederung der Landkreise mit einer Verringerung von 143 auf 71 und die Eingliederung von 23 kreisfreien Städten (von 48 behielten 25 ihre Kreisfreiheit, die anderen bekamen die „Große Kreisstadt“) in die Landkreise.

Mit dem Beginn der Reform konnten sich bereits kleine Gemeinden freiwillig zu größeren zusammenschließen, dies geschah je nach Gebiet jedoch nur in geringem Umfang. Gemeinden die 1978 immer noch zu klein waren, wurden dann zum 1. Mai 1978 in Nachbargemeinden zwangseingemeindet oder mit diesen zusammengelegt.

Anschließend folgten bis 1980 noch kleinere Korrekturen.

Gliederung im Landkreis

Vor der Reform

Vor der Reform bestand das Gebiet des heutigen Landkreises aus dem Landkreis Berchtesgaden mit 20 Gemeinden und einem Teil des Landkreises Laufen mit 40 Gemeinden (davon 17 im Gebiet BGL), sowie der kreisfreien Stadt Bad Reichenhall. Zahlreiche Gemeinden der beiden Landkreise hatten oft weit unter 1.000 Einwohner (Angaben Stand: 1964), z.B. Scheffau mit 419 oder Triebenbach mit sogar nur 323 Personen.

Bad Reichenhall

Bad Reichenhall war eine kreisfreie Stadt, weswegen sie keinem Landkreis angehörte.

Landkreis Berchtesgaden

Gemeinde Einwohner 1964[5] Einwohner 1977[6] Anmerkungen
Anger 1376 1449
Au (Berchtesgaden) 1277 -
Aufham 911 1296
Bayerisch Gmain 2277 2511
Berchtesgaden 4795 8623 bis 1977 bereits mehrere Eingemeindungen
Bischofswiesen 7166 7445
Högl (Gemeinde) 612 707
Karlstein 2171 2787
Königssee (Schönau am Königssee) 1924 2082
Landschellenberg 686 -
Maria Gern 436 -
Marktschellenberg 549 1727 bis 1977 bereits mehrere Eingemeindungen
Marzoll 1237 2133
Piding 2079 3524
Ramsau bei Berchtesgaden 1799 1696
Salzberg 2843 -
Scheffau 419 -
Schneizlreuth 619 613
Schönau 2942 2985
Weißbach an der Alpenstraße 488 561

Landkreis Laufen

Gemeinde Einwohner 1964[5] Einwohner 1977[6] Anmerkungen
Ainring 5055 7329 bis 1977 bereits mehrere Eingemeindungen
Asten 566 ? Lkr. Traunstein
Freidling 407 -
Freilassing 9322 12444
Ferutsmoos 621 ? Lkr. Traunstein
Fridolfing 2492 ? Lkr. Traunstein
Gaden 686 ? Lkr. Traunstein
Heining 646 -
Holzhausen bei Teisendorf 658 -
Kapell 634 ? Lkr. Traunstein
Kar 966 ? Lkr. Traunstein
Kirchanschöring 1667 ? Lkr. Traunstein
Kirchheim 689 ? Lkr. Traunstein
Lampolding 465 ? Lkr. Traunstein
Laufen 3579 4230 bis 1977 bereits mehrere Eingemeindungen
Leobendorf 1397 1303
Neukirchen am Teisenberg 998 1016
Nirnharting 441 ? Lkr. Traunstein
Oberteisendorf 721 1824
Otting 592 ? Lkr. Traunstein
Palling 1943 ? Lkr. Traunstein
Petting 1088 ? Lkr. Traunstein
Pietling 517 ? Lkr. Traunstein
Ringham 518 ? Lkr. Traunstein
Roßdorf 532 -
Rückstetten 689 -
Saaldorf 1499 1842
Straß 787 -
Surheim 1291 1715
Taching am See 814 ? Lkr. Traunstein
Teisendorf 1921 4001 bis 1977 bereits mehrere Eingemeindungen
Tengling 685 ? Lkr. Traunstein
Tettenhausen 401 ? Lkr. Traunstein
Tittmoning 2065 ? Lkr. Traunstein
Törring 981 ? Lkr. Traunstein
Triebenbach 323 -
Tyrlaching 877 ? Lkr. Altötting
Waging am See 1855 ? Lkr. Traunstein
Weildorf 823 924
Wonneberg 940 ? Lkr. Traunstein

Durchführung

Landkreise

Der heutige Landkreis Berchtesgadener Land entstand am 1. Juli 1972 aus der Zusammenlegung der Landkreise Landkreis Berchtesgaden und einem Teil des Landkreises Laufen, sowie der kreisfreien Stadt Bad Reichenhall. Der neue Landkreis erhielt anfangs den Namen Landkreis Bad Reichenhall, was jedoch zum 1. Mai 1973 auf den heutigen Namen Landkreis Berchtesgadener Land geändert wurde. Bad Reichenhall erhielt nach dem Verlust der Kreisfreiheit als Entschädigung die Bezeichnung Große Kreisstadt mit einigen extra Zuständigkeiten.

Vom Landkreis Laufen kamen nur die südlichen Bereiche zum Berchtesgadener Land, die Nördlichen gingen an den Landkreis Traunstein und die Gemeinde Tyrlaching an den Landkreis Altötting.

Gemeinden

Deutlich umfangreicher war die Gebietsreform bei den kleinen Gemeinden im Landkreis. Sie konnten sich freiwillig anderen Gemeinden anschließen oder zu neuen Gemeinden zusammenschließen, was auch einige taten. Die meisten kleinen Gemeinden die bis 1978 immer noch bestanden, wurden dann von der Regierung zum 1. Mai 1978 in Nachbarorte zwangseingemeindet.

Vereinzelt schlossen sich bereits vor der Reform oder direkt mit dem Beginn einige Gemeinden zusammen, wie etwa in Marktschellenberg und Ainring. Zum 1. Januar 1972 folgte eine große Welle an Eingemeindungen und zum 1. Mai 1978 dann der Rest.

Gemeinde Eingemeindet nach Datum der Eingemeindung
Au Berchtesgaden 1. Januar 1972
Aufham Anger 1. Mai 1978
Freidling Teisendorf 1. April 1971
Heining Laufen 1. Januar 1970
Högl Anger & Piding 1. Mai 1978
Holzhausen bei Teisendorf Teisendorf 1. Januar 1972
Karlstein Bad Reichenhall 1. Mai 1978
Königssee Schönau am Königssee 1. Mai 1978
Landschellenberg Marktschellenberg 1. Oktober 1969
Leobendorf Laufen 1. Mai 1978
Maria Gern Berchtesgaden 1. Januar 1972
Marzoll Bad Reichenhall 1. Mai 1978
Neukirchen am Teisenberg Teisendorf 1. Mai 1978
Oberteisendorf Teisendorf 1. Mai 1978
Roßdorf Teisendorf 1. Januar 1972
Rückstetten Oberteisendorf 1. Januar 1972
Saaldorf Saaldorf-Surheim 1. Mai 1978
Salzberg Berchtesgaden 1. Januar 1972
Scheffau Marktschellenberg 1. Oktober 1969
Schönau Schönau am Königssee 1. Mai 1978
Straß Ainring 1. Januar 1970
Surheim Saaldorf-Surheim 1. Mai 1978
Triebenbach Laufen 1. Januar 1970
Weildorf Teisendorf 1. Mai 1978
Weißbach an der Alpenstraße Schneizlreuth 1. Mai 1978

Nach der Reform

Durch die Reform schrumpfte die Zahl der Städte und Gemeinden im Gebiet des Landkreises von 38 (20 Lkr. Berchtesgaden, 17 Lkr. Laufen, Bad Reichenhall) auf nur noch 15, wobei 1977 noch 26 existierten.

Die Orte Bayerisch Gmain, Bischofswiesen, Freilassing und Ramsau bei Berchtesgaden erfuhren keine Veränderungen. Die Gemeinde Högl war die einzige, die auf zwei Gemeinden aufgeteilt wurde, nämlich Anger und Piding. Zum 1. Januar 1979 kam der Ortsteil Bichlbruck auf Wunsch der Einwohner von Ainring zu Piding.

heutige Gemeinde ehemalige Gemeinden
Anger Aufham
Högl (aufgeteilt)
Ainring Straß
Bad Reichenhall Bad Reichenhall (Kreisfreiheit)
Karlstein
Marzoll
Bayerisch Gmain -
Berchtesgaden Au
Maria Gern
Salzberg
Bischofswiesen -
Freilassing -
Laufen Heining
Leobendorf
Triebenbach
Marktschellenberg Landschellenberg
Scheffau
Piding Högl (aufgeteilt)
Ainring (Ortsteil Bichlbruck umgemeindet)
Ramsau bei Berchtesgaden -
Saaldorf-Surheim Saaldorf
Surheim
Schneizlreuth Weißbach an der Alpenstraße
Schönau am Königssee Schönau
Königssee
Teisendorf Freidling
Holzhausen bei Teisendorf
Roßdorf
Neukirchen am Teisenberg
Oberteisendorf (mit Rückstetten)
Weildorf

Einzelnachweise

  1. Birgit Gruber-Groh: Historischer Atlas von Bayern. Altbayern Reihe I Heft 57: Bad Reichenhall 1995, S. 184f.
  2. Birgit Gruber-Groh: Historischer Atlas von Bayern. Altbayern Reihe I Heft 57: Bad Reichenhall 1995, S. 183.
  3. Dritte Verordnung über den Neuaufbau des Reichs – §1 Abs. 2 & 3
  4. Unser Landkreis Berchtesgadener Land. 1977. S. 18-21
  5. 5,0 5,1 Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. 1964
  6. 6,0 6,1 Unser Landkreis Berchtesgadener Land. 1977. S. 72