Waldbahnweg

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Waldbahnweg
Waldbahnweg.JPG
Orte Schneizlreuth
Ortsteile Weißbach an der Alpenstraße
Verlauf Nordost-Südwest
Länge 3 km
Fahrbahnbreite 1,5-3 m
Oberfläche Schotter
Baujahr 1927-1930
Sanierungen 1958, 1996, ~2014-2015
Besonderheiten ehemalige Bahntrasse
Beschränkungen
  • Radfahrverbot
  • Absturzgefahr
  • Betreten auf eigene Gefahr
  • Forststraße benutzen

Der Waldbahnweg ist ein klammartiger Wanderweg auf einer alten Bahntrasse an der Vorderen Schwarzache bei Weißbach an der Alpenstraße in Schneizlreuth.

Geschichte

Alte Schwellen im Weg

Der Weg wurde nach 1958 nach dem Abriss der ehemaligen Bahnstrecke auf dieser errichtet. Noch heute zeugen an einigen Stellen die hölzernen Schwellen und die Brücken vom Bahnbetrieb.

Im Jahr 1996 wurde der Weg beschildert und teilweise ausgebaut.[1] Da der Gemeinde das Geld für Sanierungen fehlt, wurden etwa 2014 bis 2015 einige Gefahrenstellen von ehrenamtlichen Einwohnern beseitigt und gesichert.[2] Auch einige Brücken sind bereits erneuert, andere bestehen noch aus dem Holz der Bahn und befinden sich in einem entsprechend schlechten Zustand.

Verlauf

Der Wanderweg beginnt am Reiterweg nach der Reiterbrücke, führt zunächst entlang des Weißbachs in Richtung Nordwesten zum Eisenbahntunnel und weiter bis zu einem Verbindungsweg mit der Forststraße Reiteralm und einem anderen Wanderweg. Ab hier wird vor der Benutzung des Wegs gewarnt und auf die Forststraße verwiesen. Anschließend führt der Weg in gleicher Richtung durch Waldgebiet zur Vorderen Schwarzache und folgt dann dem Gewässer in südwestliche Richtung bis zur Bäckingerklause und der Beckingklaus-Forststraße.

Die Ache wird vom Weg an mehreren Stellen insgesamt sechs mal überquert.

An einer Stelle läuft Wasser vom Fels und über den Weg.

Waldbahn

alter Holzlagerplatz an der B 305 beim Reiterweg; hinten das Forsthaus

Die Waldbahn (auch Schwarzachenklammbahn) war eine Holztransportbahn auf dem heutigen Wanderweg. Sie verlief von der Bäckingerklause den Wanderweg hinunter bis zum Eisenbahntunnel, überquerte dann den Weißbach und endete zwischen dem Reiterweg und dem Harbachweg an einem Holzlagerplatz neben der B 305. Dort befand sich auch der Lokschuppen und das später angebaute Forsthaus.

Pro Jahr wurden etwa 600 Festmeter Holz geschlagen und abtransportiert.

Geschichte

Eisenbahntunnel

Mit dem Bau der Bahn wurde im Jahr 1927 durch Soldaten des 7. Bayerischen Pionier-Bataillons bei einer Gebirgsübung begonnen. Sie führten erste Sprengungen durch und bauten die Brücke über den Weißbach. Da sie die Arbeiten im folgenden Jahr nicht mehr selbst durchführen konnten, musste das Forstamt Bad Reichenhall die weiteren Arbeiten übernehmen. Sie schafften hierzu einige Kompressoren und Presslufthämmer an. 1930 konnte das Pionier-Battaillon die letzten Sprengungen wieder selbst durchführen.

Während der Bauarbeiten wurde für die Schienen auch ein Teil der Bäckingerklause gesprengt.

Die Waldbahn wurde 1958 mit dem Bau einer Forststraße aufgegeben, abgerissen und in einen Weg umgebaut. Von der Anlage ist heute nur noch der 30 Meter lange und etwa 2,5 Meter hohe Eisenbahntunnel übrig.

Zug

Zwei zweiachsige Loks befuhren die etwa drei Kilometer lange Strecke. Sie wurden von der Firma Klöckner-Humboldt-Deutz hergestellt.

Zug 1 Zug 2
Typ Benzollok ML 128 F Diesellok MLH 332 F
Baujahr 1925 1930
Verschrottung ~1958 Anfang 1960er
Fabrikationsnummer 6852 9885

Pro Lok wurde die Strecke mit zwei Garnituren zu jeweils 4 Doppelwagen befahren.

Betrieb

Die Waggons wurden mit den Loks bis zum „Bahnhof“ hinter der Bäckingerklause hinaufgezogen, dann mit Holz beladen und abgekoppelt. Anschließend fuhren sie alleine, nur mit vier Bremsern besetzt, durch die Schlucht wieder bis zum Holzlagerplatz. Vorm Tunnel mussten die Bremser alle Bremsen lösen, damit sie ausreichend Geschwindigkeit hatten, um den Lagerplatz zu erreichen.

Bedingt durch die Jahreszeiten war die Nutzungsdauer von Jahr zu Jahr unterschiedlich lang. Besonders Lawinenabgänge im Winter, aber auch Felsstürze, zögerten den Betrieb oft hinaus. Vereinzelt konnte mit dem Holztransport erst im August begonnen werden, da die Räumarbeiten entsprechend lange dauerten.

Obwohl es offiziell verboten war, nahmen die Lokführer hin und wieder Einheimische mit auf ihren Weg nach oben.

Unfälle

Absturzstelle vom Unfall 1946
Absturzstelle vom Unfall 2015
  •  ?: Eine Lok raste unkontrolliert die gesamte Strecke bis zum Tunnel hinab und kollidierte dort mit den beladenen Waggons.
  • 18. September 1946: Der 32-jährige Holzknecht und Bremser Peter Kölbl war mit der Bahn in einer Kurve verunglückt. Wahrscheinlich waren zuvor einige Baumstämme zwischen den Waggons verrutscht, so dass diese einer Kurve nicht mehr folgen konnten. Zwei weitere Arbeiter wurden schwer und ein Dritter leicht verletzt.
  • 29. Juli 2001: Maria Mader; kurz vor der letzten Brücke
  • 16. Juni 2003: Albert Holzner; ein Stück nach dem aufeinandertreffen von Weg und Bach. In diesem Bereich befindet sich der Bach noch einige Meter unterhalb des Wegs.
  • 7. September 2015: Zwei Wanderer waren am späten Abend von der Harbachalm den Waldbahnweg hinab unterwegs. Aus ungeklärter Ursache stürzte der 33-Jährige nur wenige Meter östlich der Unfallstelle von 2003 in die Vordere Schwarzache. Sein 35-jähriger Begleiter wollte ihm zu Hilfe eilen und stürzte ebenfalls ab. Der 33-Jährige konnte von der Bergwacht nur noch tot geborgen werden, der 35-Jährige mit schweren Verletzungen. Der Weg ist an dieser Stelle mit Baumstämmen gesichert. Der oft genannte Unfallort in der Nähe des Tunnels ist falsch und dient wohl nur der einfacheren Erklärung.

Galerie

Einzelnachweise

  • Schilder am Weg
  1. Schneizlreuther Gemeindeanzeiger. Ausgabe 29 vom 27.6.2007, Seite 7
  2. http://www.traunsteiner-tagblatt.de/home_artikel,-Schneizlreuther-packten-mit-an-_arid,227235.html