Steinerne Agnes

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Steinerne Agnes
Steinerne Agnes.JPG
Orte Bischofswiesen
Lage Südhänge von Keilkopf und Mottkopf
Koordinaten

47°41′12″N 12°54′31″E

Typ Steinformation
Kennung ND-01940; 172R012
Entstehung vor 220 Millionen Jahren bis Heute
Höhe 1332 m
Besonderheiten Geotop

Die Steinerne Agnes (früher auch: Die Steinerne Sennerin) ist eine bizarre Felsformation im nordöstlichen Lattengebirge die unter Naturschutz steht.

Lage & Zugang

Sandweg zur Agnes
Oberer Wegabschnitt
Kaputte Infotafel am Rastplatz

In den Südhängen von Keilkopf und Mottkopf (Bischofswiesener Forst in der Gemeinde Bischofswiesen), nahe der Rotofenalm-Diensthütte, versteckt sich die Steinerne Agnes in 1.332 Metern Höhe zwischen Bergwäldern und Latschen.

Erreichbar ist sie über längere Bergwanderwege vom Wanderparkplatz Hallthurm über den Rotofensattel (Weg 469), in dem auch ein Weg aus Winkl einmündet, oder aus dem Gebiet Predigtstuhl / Dreisesselberg (Weg 477). Beide Wege treffen unterhalb der Steinernen Agnes an einem Rastplatz in 1.290 Meter aufeinander. Zur Agnes selbst führt von dort ein kurzer, jedoch steiler und sandiger Weg hinauf, der in der oberen Hälfte nur durch Klettern zu bezwingen ist.

Am Wanderparkplatz Hallthurm informiert eine Informationstafel über die Steinerne Agnes und ihre Entstehung. Das gleiche Schild steht nochmals am Rastplatz, befindet sich dort allerdings in einem miserablen Zustand. Es ist umgefallen, in mehrere Teile zerbrochen und aufgrund der Verwitterung weitestgehend unlesbar.

Beschreibung

Südostseite
Talseite (Süden)
Fuß der Felsnadel

Die Steinerne Agnes ist eine 10 bis 15 Meter hohe Felsnadel aus Ramsaudolomit[1] mit zahlreichen unregelmäßigen Bruchkanten. Bedingt durch die Lage im Steilhang ergeben sich unterschiedliche Höhen für die Berg- und Talseite. In der Tiefe misst sie 20 Meter und in der Breite 10 Meter. Auf der Nadel thront am hinteren, bergseiten, Teil ein drei Meter hoher pilzförmiger Hut mit breiter Krempe.

Ein Teil der Hutkrempe brach im Sommer 2016 ab.[2]

Zum Schutz der Gesteinsformation wurde sie unter Naturschutz gestellt. Zudem befindet sie sich im Landschaftsschutzgebiet Lattengebirge und ist weiters als Geotop ausgewiesen.

Erstmals gesichert bestiegen wurde die Felsformation im Jahr 1909 von Max Hartmann gemeinsam mit dem Bergführer Hans Bose.[3] Heutzutage soll das Erklettern unbedingt vermieden werden. Etwaige steinschädigende Kletterhilfsmittel wie Haken sind aufgrund des Naturschutzes ohnehin verboten.[4]

Entstehung

Vor rund 220 Millionen Jahren (obere Trias) lag das Lattengebirge mitten in einem tropischen Flachmeer. Mit dem Absinken des Meeres in den folgenden Millionen Jahren lagerten sich am Boden kalkhaltige Sedimente ab, die sich zu Kalkstein verfestigten. Bildeten sich dabei Lagunen mit salzhaltigem Wasser ersetzte Magnesium einen Teil des Kalks und bildete das brüchigere Dolomitgestein.

Im Falle der Steinernen Agnes besteht der Hauptkörper und der Hals aus Dolomit, der Kopf jedoch aus etwas dichterem Dolomit mit mehr Kalkanteilen. Diese Schichtfolge ermöglichte das Entstehen dieser Formation, da der festere Kopf das darunterliegende Gestein teilweise vor Verwitterungen schützt.[4]

Geotop

Vom Bayerischen Landesamt für Umwelt wird die Agnes als wertvolles Geotop (Kennung: 172R012) eingestuft, das überregional bedeutend ist.[2]

Durch ihre einzigartige Form wurde sie vom Landesamt als das Wahrzeichen des Bayerischen Geotopschutzes [4] ausgewählt, weshalb ihr Umriss auch die Wegschilder "Geologie erleben!" zu allen bayerischen Geotopen ziert. Weiters dient die Agnes auch als Titelbild für das 2011 vom Landesamt herausgegebene Buch Hundert Meisterwerke – Die schönsten Geotope Bayerns (ISBN 978-3-936385-89-2).

2006 verlieh die Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien der Steinernen Agnes das deutschlandweit nur selten vergebene Prädikat „Nationaler Geotop“. Vermutlich kurz zuvor ernannte das Bayerische Landesamt für Umwelt die Agnes zur Nr. 25 der 100 „Schönsten Geotope Bayerns“.

Sagen

Mit etwas Phantasie lässt sich in der Felsformation die Gestalt einer Sennerin mit Hut oder Holzschaffel auf dem Kopf ausmachen. Daraus entwickelten sich im Laufe der Zeit mehrere Sagen von einer Sennerin „Agnes“ die hier versteinert wurde. Ein paar davon stellen auch eine Verbindung mit dem nahen Teufelsloch her.

Flucht vorm Teufel

Bei dieser Sage versucht der Teufel mehrfach die Sennerin Agnes zu verführen. Diese bleibt jedoch standhaft und wird dafür vom Teufel gejagt. Auf ihrer Flucht landet sie vor einer Felswand und ruft die Muttergottes an, die ihr eine Öffnung in der Felswand (das Teufelsloch) schafft. Da ihr der Teufel auch dort hindurch folgt, wird sie zu ihrem Schutz in Stein verwandelt und zwei Engel tragen ihre Seele in den Himmel.[5]

In anderen Versionen verkleidet sich der Teufel auch als Jäger.

Kindsmord

In dieser Sage bekam die Sennerin Agnes von einem Jäger, der sie oft besuchte, ein uneheliches Kind. Aus Angst vor der Schande wollte sie es aber loswerden. Sie legte das Kind in ihr Holzschaffel, stellte es sich auf den Kopf und ging los. Gerade als Agnes überlegte, ihr Kind über eine Felswand oder in den Steinbergsee zu werfen, wurde sie in Stein verwandelt.[5]

Nach einer anderen Version soll der Teufel Agnes dazu gedrängt haben, das Kind loszuwerden.

Sonstiges

Steinerne Agnes im Märchenpfad

Im Aschauerweiher Märchenpfad steht eine hölzerne Nachbildung des oberen Teils mit dem Pilzhut. Auf dem nebenstehenden Schild wird eine der Sagen wiedergegeben.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ortwin, Ganss & Sepp Grünfelder: Geologie der Berchtesgadener und Reichenhaller Alpen. S. 87
  2. 2,0 2,1
  3. Deutscher Alpenverein, Hellmut Schöner: Berchtesgadener Alpen. 1950, Vorderthann'sche Buchdruckerei u. Verlag, Berchtesgaden, S. 120
  4. 4,0 4,1 4,2 Informationstafel Steinerne Agnes am Wanderparkplatz Hallthurm & erweiterte Onlineversion
  5. 5,0 5,1 A. Helm: Hallthurm. Archiv des Berchtesgadener Landes – Band 8, Berchtesgaden 1960, S. 41f.