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Bahnhof Teisendorf

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Bahnhof Teisendorf
Ort Teisendorf
Adresse Bahnhofplatz 1
Koordinaten

47°50′57″N 12°50′4″O

Höhe 504 m
Inbetriebnahme 1859-1860
Bahndaten
Bahnhofstyp Bahnhof
Abkürzung MTO
Kategorie 5
Preisklasse 5
Bahnstrecke Rosenheim–Salzburg
Streckenkilometer 69,835
Gleise 3
Bahnsteige 3
Bahnsteiglänge 327 m
Bahnsteighöhe 34 cm
Barrierefreiheit Hausbahnsteig barrierefrei erreichbar
Schienenersatz Bushaltestelle Teisendorf Bahnhof
Besonderheiten ältester Bahnhof im Landkreis (gemeinsam mit dem Bhf. Freilassing)

Der Bahnhof Teisendorf ist ein Durchgangsbahnhof an der Bahnstrecke Rosenheim–Salzburg und zwischen den Bahnknoten Freilassing und Traunstein, eine Strecke von 28,4 Kilometern, der einzige Halt. Weiters ist er heute auch der einzige Bahnhaltepunkt im gesamten Gebiet der Marktgemeinde Teisendorf. Bis 1982 gab es bei Rückstetten noch den Bahnhaltepunkt Rückstetten.

Teisendorf und der zeitgleich gebaute Bahnhof Freilassing sind die beiden ältesten Bahnhöfe im Landkreis Berchtesgadener Land.

Lage & Anbindung

Der Teisendorfer Bahnhof steht ein paar Gehminuten außerhalb des Teisendorfer Ortskerns nach Osten zwischen der Staatsstraße 2103, der Bahnhofstraße und der Industriestraße am Bahnhofplatz (Hausnummer 1). Zugänglich ist er nur vom Platz aus und der ihm vorgelagerten Bahnhofstraße.

Der Bahnhofplatz verknüpft den Bahnhof mit dem öffentlichen Personennahverkehr und dem Individualverkehr. An seinem Wendeplatz ist die Bushaltestelle Teisendorf Bahnhof eingerichtet, an der zwei Linienbusse und der Gemeindebus Teisendorf halten. Unmittelbar daneben befindet sich der Bahnhofparkplatz. Für Fahrräder gibt es zwei Fahrradparkplätze mit insgesamt 60 Stellplätzen. Diese befinden sich am Hausbahnsteig und am Abgang zur Unterführung.

Bahnhof

Empfangsgebäude

Ehemaliges Empfangsgebäude am Bahnhofplatz

Zwischen dem Bahnhofplatz und den Bahnanlagen steht das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs. Das etwa 450 m² große Gebäude besteht aus drei Stockwerken und besitzt zwei einstöckige Seitenflügel. Alle Teile sind mit einem Satteldach gedeckt. 2008 wurde das Gebäude von der Deutschen Bahn an eine Investorengesellschaft verkauft.

Gleisanlage

Streckengleise

Nordöstlich des Empfangsgebäudes befinden sich zur Industriestraße hin, von dieser aber nicht zugänglich, die Gleisanlagen des Bahnhofs. Die Anlage umfasst zwei Streckengleise mit den Gleisnummern 2 und 3 und ein Nebengleis mit der Nummer 4. Ein Gleis Nummer 1 existiert seit 2006 nicht mehr. Es lag noch vorm Gleis 2 beim Hausbahnsteig und diente dem Güterverkehr. Vom Nebengleis zweigt ein kurzes Industrieanschlussgleis zu einem Flüssiggasbetrieb ab.

Bis auf eine Ausnahme werden sämtliche Gleisanlagen vom Stellwerk Freilassing am Freilassinger Bahnhof ferngesteuert.[1] Die Ausnahme bildet die Weiche zum Industriegleis, welche vor Ort per Hand gestellt wird.

Der Bahnhof verfügt über einen Hausbahnsteig am Gleis 2 und einen Mittelbahnsteig zwischen den Gleisen 3 und 4. Beide besitzen eine Länge von 327 Metern und eine Bahnsteighöhe von 37 cm. Den Zugang zum Mittelbahnsteig bildet eine nicht barrierefreie Unterführung. Für Reisende steht an beiden Bahnsteigen jeweils nur ein kleines Unterstandhäuschen bereit. Im Häuschen am Hausbahnsteig engt der Fahrkartenautomat den spärlich verfügbaren Platz noch zusätzlich ein.

Verkehr

Der Teisendorfer Bahnhof wird heute ausschließlich im Regionalverkehr bedient. Nahverkehr existiert aufgrund fehlender Bahnhöfe in der Umgebung nicht und Fernverkehrszüge rauschen durch den Bahnhof nur durch.

Personenverkehr

Regionalverkehr

Im Regionalverkehr ist Teisendorf an mehrere Städte und Großstädte in der Umgebung angebunden. In einem Stundentakt verkehren Regionalzüge der Bayerischen Regiobahn GmbH zwischen Freilassing, Salzburg, Rosenheim und München. Die Züge in Richtung Freilassing / Salzburg halten dabei am Gleis 2 und die Züge nach Rosenheim / München am Gleis 3 (und 4).

Fernverkehr

Im Fernverkehr wird Teisendorf, trotz der Lage an einer vielbefahrenen Fernbahnstrecke, nicht bedient. Die nächsten Fernverkehrsbahnhöfe sind der Bahnhof Freilassing und der Bahnhof Traunstein.

Güterverkehr

Transgas Flüssiggaslager mit Anschlussgleis

Güterverkehr findet am Bahnhof heute so gut wie nicht mehr statt. Der einzige noch verbliebene Güternutzer ist ein Flüssiggasbetrieb, dessen Flüssiggas per Kesselwagen angeliefert wird.

Geschichte

Maximiliansbahn

Am 1. Juli 1856 genehmigte die Bayerische Regierung den Bau des letzten Teilstücks der Maximiliansbahn von München über Rosenheim und Traunstein nach Salzburg.[2] Teisendorf erhielt dabei als einzige Gemeinde in der Umgebung einen Haltepunkt an der neuen Bahn.

Im Sommer 1858 erreichten die Bautrupps bereits das Gemeindegebiet[3] und nach zwei Jahren Bauzeit ging der Bahnhof zum 1. August 1860 erst vorläufig und zum 12. August dann vollständig in Betrieb.[4] Das Empfangsgebäude wurde verhältnismäßig groß und mit einem gesonderten „Salon für höhere Herrschaften“ errichtet, da hier die Reichenhaller Kurgäste von der Eisenbahn auf die Pferdekutsche umstiegen. Es kostete 26.000 Gulden und war damit fast doppelt so teuer wie der Freilassinger Bahnhof.[5] Daneben gab es noch eine Güterhalle mit Wohneinheiten, einen Wasserspeicher und Wasserkräne sowie eine Betongrube, in der die Züge ihre Verbrennungsrückstände vor dem Anstieg in Richtung Traunstein nochmal entleeren konnten.[6]

Mit der Inbetriebnahme zog auch die Post vom Ortskern ins Bahnhofsgebäude.[4]

Ausbau

30 Jahre nach der Inbetriebnahme erhielt Teisendorf am 18. September 1890 sein erstes Stellwerk in Form eines Krauss-Kurbelkastens.[6]

Ab den 1880er Jahren nahm der Güterverkehr auf der Bahnstrecke immens zu, weshalb ein zweigleisiger Ausbau unumgänglich war. Zwischen Teisendorf und Traunstein erfolgte die Verlegung des zweiten Gleises von 1894 bis zum 29. November 1895, wobei im Teisendorfer Bahnhof einfach nur das Ausziehgleis zum Streckengleis umgebaut wurde.[7][8] 1896 war das zweite Gleis dann durchgängig fertiggestellt.[5]

Im August 1911 erhielt das 1899 gegründete Sägewerk Hübsch in Warisloh 9 einen 442 Meter langen Gleisanschluss. Dieser ersetzte ein bereits existierendes Schmalspurgleis, das um 1900 verlegt wurde. Acht Jahre später wurde auch das Lagerhaus mit einem Ladegleis ausgestattet.[6]

Zum 26. November 1931 wurde das Kurbelkastenstellwerk durch ein Einheitsstellwerk ersetzt.[8]

NS-Zeit & Zweiter Weltkrieg

Während der NS-Zeit wurde 1938 eine Militärseitenrampe gebaut. Den Zweiten Weltkrieg überstand der Teisendorfer Bahnhof, im Gegensatz zu seinen Nachbarbahnhöfen Freilassing und Traunstein, weitestgehend unbeschadet. Lediglich eines der beiden Streckengleise war aufgrund mangelhafter Wartung nicht mehr befahrbar.[6][9]

Rückbau

Nach dem Krieg setzte sich langsam der Lkw als vorrangiges Transportmittel durch, weshalb der Bahnhof langsam seine Bedeutung verlor. Bereits zum 1. Oktober 1952 gab das Sägewerk seinen Gleisanschluss auf. 1970 erfolgte die Einstellung des Stückgutverkehrs und im Jahr darauf der Abriss der Güterhalle.[6]

Zwischenzeitlich begann auch bereits die schleichende Angliederung an den Freilassinger Bahnhof. Während die Verbindung zunächst nur auf verwaltungstechnischer Ebene geschah, wurde sie Ende der 1970er Jahre auch auf technischer Ebene vollzogen. Hierzu wurde im Oktober 1978 ein ferngesteuertes Drucktastenstellwerk Sp Dr S 60[1] in Betrieb genommen und, da auch das Personal abgezogen wurde, eine Unterführung zum Mittelbahnsteig gebaut.

Gegenwart

Müllzug des Zweckverbands Abfallverwertung Südostbayern auf der Durchfahrt

Erstmals nach vielen Jahren des Rückbaus, fand 1994 am Teisendorfer Bahnhof wieder ein Neubau statt. Die Firma PTG Flüssiggas-Transhand GmbH & Co. KG (heute die TRANSGAS Flüssiggas Transport und Logistik GmbH & Co. KG) errichtete an der Industriestraße ein Flüssiggaslager für die Versorgung ihrer in Südostbayern ansässigen Kunden. Die Anlieferung des Flüssiggases erfolgt per Schiene, weshalb ein Gleisanschluss am Gleis 4 eingerichtet wurde.

Nur vier Jahre nach dem Neubau traf Teisendorf jedoch der nächste Rückschlag. Das Raiffeisenlagerhaus, das seit 1919 einen Bahnanschluss besaß, gab 1998 den Schienentransport auf. Im Jahr 2006 wurde dann das Gütergleis Nr. 1 zurück gebaut.[8]

Seit vielen Jahren versucht die Marktgemeinde einen barrierefreien Ausbau des Bahnhofs zu erreichen. Die Deutsche Bahn lehnt dies jedoch mit der Begründung ab, dass die Fahrgastzahlen zu niedrig sind.[10] Im Jahr 2019 nutzten den Bahnhof täglich zwischen 500 und 1000 Personen. Damit steht Teisendorf nach Freilassing und Bad Reichenhall auf Platz 3 der meistgenutzten Bahnhöfe im Landkreis.[11]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 https://stellwerke.info/stw/stw.php?id=2744
  2. Gesetz vom 1. Juli 1856, den Ausbau der Eisenbahnlinie von Rosenheim bis an die Landesgrenze bei Salzburg betr.
  3. Markt Teisendorf: Heimatbuch Teisendorf. Markt und Land. 2001, S. 415f.
  4. 4,0 4,1 Markt Teisendorf: Heimatbuch Teisendorf. Markt und Land. 2001, S. 410.
  5. 5,0 5,1 Kurt Enzinger: Freilassing. Geschichte einer jungen Stadt. 2003, ISBN 3-902317-01-9 (Bei Amazon* (Werbelink)), S. 132.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 Markt Teisendorf: Heimatbuch Teisendorf. Markt und Land. 2001, S. 416-422.
  7. Armin Franzke, Josef Mauerer: 150 Jahre Bahnstrecke Rosenheim – Salzburg. 2010, ISBN 978-3-9812639-2-3 (Bei Amazon* (Werbelink)), S. 30-32.
  8. 8,0 8,1 8,2 Armin Franzke, Josef Mauerer: 150 Jahre Bahnstrecke Rosenheim – Salzburg. 2010, ISBN 978-3-9812639-2-3 (Bei Amazon* (Werbelink)), S. 150-152.
  9. Armin Franzke, Josef Mauerer: 150 Jahre Bahnstrecke Rosenheim – Salzburg. 2010, ISBN 978-3-9812639-2-3 (Bei Amazon* (Werbelink)), S. 54.
  10. Bürgerversammlung Teisendorf November 2023
  11. Bayerischer Landtag – Drucksache Nr. 18/26879