Stanggaß

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Stanggaß
Besiedlung an der St 2097
Besiedlung an der St 2097
Ort Bischofswiesen
Koordinaten

47°37′55″N 12°58′51″E

Siedlungsform Gnotschaft
Gründung vor 1385
Einwohner 1470(Stand:2013)
Höhe 620 m (NHN)
Postleitzahl 83483
Vorwahl 08652
Versorgung
Gas Ja
Strom Ja
Wasser Ja

Stanggaß ist eine Gnotschaft (Ortsteil) in der Gemeinde Bischofswiesen an der Ortsgrenze zu Berchtesgaden.

Lage

Stanggaß bildet das südöstliche Gemeindegebiet von Bischofswiesen und liegt direkt vor den Toren der Marktgemeinde Berchtesgaden. Der Ortsteil erstreckt sich von der Bischofswiesener Ache, über den Aschauerweiher zum Untersberg und vorbei am Berchtesgadener Ortsteil Anzenbach bis zum Kälberstein.

Die Abgrenzung zum Nachbarortsteil Strub bildet die Bischofswiesener Ache.

Geschichte

Eine gesicherte Besiedelung gibt es in Stanggaß nach mehreren Erbrechtskaufbriefen seit 1385. Nachdem die Bauern ihre Lehen ab 1377 auf Erbrecht erwerben konnten, machten sie davon in den folgenden Jahren auch regen Gebrauch, in Stanggaß erstmals im Jahr 1385. Zum Beispiel wurde das damals größte Lehen in der Fürstpropstei, das Si(e)gllehen (beim Sieglweg), im Jahr 1400 für 106 Pfund gekauft.[1] Etwa ab dem Ende des 14. Jahrhunderts begann die Zusammenschließung der Bauern zu Gnotschaften, wobei Stanggaß der 2. Gnotschafterbezirk in der Gnotschaft Bischofswiesen war.

Durch die Gemeindebildung 1818 wurden aus den Gnotschaften die Gemeinden und aus dem 2. Gnotschafterbezirk Stanggaß die Gnotschaft Stanggaß.

Im Jahr 1880 entstand die erste Badeanlage am Aschauerweiher.[2]

Ab 1880 begannen vereinzelt Bauern und Lehensbesitzer ihre Grundstücke an reiche Personen zu verkaufen, worauf diese dann stattliche Anwesen bauten (z.B. die Villa Askania). Stanggaß war damit lange Zeit, bis zum Ersten Weltkrieg, die reichste Gnotschaft in ganz Bischofswiesen.[3]

Nationalsozialismus

Nach dem Ersten Weltkrieg im Nationalsozialismus kam es in Bischofswiesen und vor allem in Stanggaß durch die unmittelbare Nähe zu Berchtesgaden zu einer stärkeren Bautätigkeit wichtiger Gebäude. In Stanggaß entstand von 1936 bis 1937 beim Urbanlehen die Kleine Reichskanzlei und kurz darauf begann im Jahr 1938 der Bau der Klinik in der Stanggaß (ursprünglich Dietrich-Eckart-Krankenhaus), der 1942 fertiggestellt wurde.

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg ging die Klinik in den Besitz des Freistaats Bayern über und die Reichskanzlei wurde viele Jahrzehnte von der US-Armee genutzt, bis sie dann nach deren Abzug 1995 an private Investoren verkauft wurde.

Ab den 1950ern und 1960ern begann eine größere Bebauung mit Wohnhäusern im Umkreis der Berchtesgadener Straße.[4]

1960 bis 1961 wurde die Soleleitung Berchtesgaden – Hallthurm – Bad Reichenhall, als Ersatz für die alte Soleleitung Berchtesgaden – Wachterl – Bad Reichenhall gebaut.

Infrastruktur

Verkehr

Die Hauptanbindung an die Nachbarorte und den überörtlichen Verkehr bilden die beiden Staatsstraßen St 2097 und St 2100. Die St 2097 verläuft von der B 20 nach Südosten in Richtung Berchtesgaden quer durch den Ortsteil. Ebenfalls von der B20 nach Berchtesgaden zieht sich die St 2100 von West nach Ost durch das nördliche Gebiet.

Die Bahnstrecke Freilassing–Berchtesgaden streift Stanggaß an der Westseite. Die nächsten Zugänge dazu sind der Bahnhof Bischofswiesen und der Hauptbahnhof Berchtesgaden.

Versorgung

Die Ferngasleitung für Berchtesgaden und Schönau am Königssee verläuft quer durch den Ortsteil. Sie kommt von Bischofswiesen, teilt sich beim Aschauerweiher auf und verläuft dann in zwei Strängen in Richtung Berchtesgaden und Schönau am Königssee. Stanggaß ist an die Schönauer Leitung durch eine Gasdruckregelstation am Bachingerweg angebunden.

Auch die Soleleitung Berchtesgaden – Hallthurm – Bad Reichenhall streift das Ortsteilgebiet. Die Leitung tritt bei Anzenbach in das Gemeindegebiet und den Ortsteil ein und führt nordöstlich in Richtung Bischofswiesen.

Natur & Schutz

Stanggaß bietet eine reichhaltige und abwechslungsreiche Natur mit zwei kleinen Bergen, großen Waldflächen mit ein paar Tratten, Wiesen und Gewässern. Die beiden dicht zusammenstehenden Berge Baderlehenkopf und Kälberstein erheben sich im südlichen Gebiet. Gewässer, vorwiegend Gräben, finden sich fast im gesamten Ortsteil. Erwähnenswert sind hier vor allem der Aschauerweiher mit seinem Zufluss dem Weiherbach und die umliegenden Weiher und Tümpel.

Fast der gesamte Ortsteil ist durch Landschaftsschutzgebiete geschützt, ausgenommen davon sind nur die Siedlungsgebiete im Süden und Südwesten. Den größten Teil nimmt das Landschaftsschutzgebiet Rostwald-Stanggaß ein, das sich von den beiden Bergen bis zum Aschauerweiher erstreckt. Dem schließt sich nach Norden direkt das kleine Landschaftsschutzgebiet Aschau an. Darauf folgt dann zum Untersberg das riesige Landschaftsschutzgebiet Untersberg mit Randgebieten, das den Ortsteil jedoch nur noch leicht berührt.[5]

Freizeit

Die Sport- und Freizeitanlagen konzentrieren sich ganzjährig vorwiegend auf das Gebiet um den Aschauerweiher. Für sommerliche Aktivitäten gibt es etwa das Naturbad Aschauerweiher und einen Trimm-Dich-Weg, sowie eine Kneippanlage. Im Winter zieht sich das weitläufige Langlaufzentrum Aschauerweiher mit neun bis zu 5,5 km langen präparierten Loipen durch die umliegenden Wiesen. Ganzjährig stehen mehrere Wanderwege und auch ein paar Themenwege wie der Aschauerweiher Märchenpfad Bischofswiesen zur Verfügung.

Ebenfalls noch zu Stanggaß gehört die Kälbersteinschanze am Kälberstein, deren Betrieb jedoch eingeschränkt ist.

Name

Stanggaß kommt wahrscheinlich von Steingasse (bayer. Stoagaß), also eine Gasse die mit Steinen gefasst ist. In alten Urkunden wechselte auch öfter der Ortsname zwischen Stanggaß und Steingaß.[6]

Sonstiges

Das frühere Anwesen „Frauenreuth“ am heutigen Hauptbahnhof Berchtesgaden war noch bis 1830 die Hausnummer 1 der Gnotschaft Stanggaß.[7]

Einzelnachweise

  1. Andreas Fendt: Bischofswiesen im Berchtesgadener Land. 1955, S. 16 & 29f.
  2. Schild der Geschichte am Naturbad
  3. Thomas Inderst, Helmut Schonert: Geschichte der Gemeinde Bischofswiesen. 2005, S. 21.
  4. Alte Karten
  5. Verordnungen der Landschaftsschutzgebiete
  6. Thomas Inderst, Helmut Schonert: Geschichte der Gemeinde Bischofswiesen. 2005, S. 66.
  7. Thomas Inderst, Helmut Schonert: Geschichte der Gemeinde Bischofswiesen. 2005, S. 44.