Ramsauer Ache

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Ramsauer Ache
Ache im Ortskern
Ache im Ortskern
Orte Ramsau bei Berchtesgaden; Bischofswiesen; Berchtesgaden; Schönau am Königssee
Koordinaten

47°36′14″N 12°55′7″E

Verlauf West-Ost
Gewässerkennzahl 1864
Flusssystem Donau
Abfluss Berchtesgadener Ache → Königsseeache → Salzach → Inn → Donau → Schwarzes Meer
Quelle Zusammenfluss Klausbach und Sillersbach (786 m)
Mündung Zusammenfluss mit Königsseer Ache zur Berchtesgadener Ache (540 m)
Höhenunterschied 246 m
Länge 12,75 km
Einzugsgebiet 126,78 km²

Die Ramsauer Ache ist ein Talwildbach und Hauptgewässer in den Gemeinden Ramsau bei Berchtesgaden, Schönau am Königssee, Bischofswiesen und Berchtesgaden.

Beschreibung

Quelle der Ramsauer Ache: Zusammenfluss des Klausbachs (links) mit dem Sillersbach (rechts)

Der Wildbach[1] ist ein Hauptsammler der die Wässer der zahlreichen Bäche und Gräben aus den umliegenden Bergen aufnimmt (siehe #Zuflüsse). Er weist eine Länge von fast 13 Kilometern auf und erreicht Breiten von üblicherweise um die 10 Meter, ist stellenweise aber auch über 30 Meter breit. Von der Quelle östlich des Hintersees auf 786 Meter Höhe bis zur Mündung im Bahnhofkreisverkehr in 540 Metern Höhe verliert die Ache 246 Höhenmeter bei einem durchschnittlichen Sohlgefälle von 2 Prozent. Das Einzugsgebiet entspricht im Großen und Ganzen dem Gebiet der Gemeinde Ramsau bei Berchtesgaden.

Ableitung des Ramsauer Mühlbachs

In weiten Teilen besitzt die Ache einen naturbelassen Zustand, jedoch sind gerade in beengten Abschnitten Ufer- und Wildbachverbauungen festzustellen. Besonders betroffen sind dabei die Bereiche im westlichen Ramsauer Ortskern, das Gebiet Ilsank/Duftberg, von der Wimbacheinmündung bis zur Roßhofschmiede, und der Abschnitt zwischen dem Gmundberg und der Mündung. Außerdem gibt es mehrere Querbauwerke die entweder zur Wasserableitung oder der Sohlstabilisierung dienen. Die meisten dieser Bauwerke sind für Wasserlebewesen derzeit nicht passierbar.

Marxenklamm

Ein herausragendes Merkmal der Ramsauer Ache ist ihr Reichtum an natürlichen Besonderheiten. Bereits im Quellgebiet durchfließt sie den Zauberwald, ein als Geotop ausgewiesenes Waldgebiet das aus unzähligen Felsblöcken besteht. Im Anschluss durchquert die Ache die Marxenklamm und später noch die Preisenklamm, wodurch sie das einzige Gewässer im Landkreis ist, das zwei Klammen durchströmt. Nach der Preisenklamm, im Gemeindegebiet von Schönau am Königssee, gibt es mit dem Geotop Kalktuffe beim Unteren Felsentor und dem Geotop Haselgebirgsaufschluss bei Stang zwei weitere geologisch bedeutsame Objekte.

Verlauf

Ache bei Ilsank
Miniinsel östlich der Preisenklamm

Die Ramsauer Ache beginnt wenige Meter östlich des Hintersees durch den Zusammenfluss des Sillersbachs mit dem Klausbach. Von dort fließt sie unterhalb des Wartsteins durch den Zauberwald nach Osten und verlässt diesen an der Marxenklamm. Weiter durchquert die Ache das Ramsauer Tal in gleicher Richtung bis zur Einmündung des Wimbachs. In der anschließenden Preisenklamm ändert sich die Fließrichtung nach Nordosten hin zu den Bischofswiesener Gnotschaften Engedey und Strub. Am Ende von Strub mündet beim Gmundberg die Bischofswiesener Ache aus Norden her in die Ache. Die letzten Meter fließt die Ramsauer Ache in ein paar Bögen nach Osten und vereinigt sich dann im Bahnhofkreisverkehr mit der Königsseer Ache zur Berchtesgadener Ache.

Zwischen der Wimbachbrücke und Engedey begleiten die B 305 und zwischen dem Stangenwald und dem Bahnhofkreisverkehr die B 20 / B 305 das Gewässer.

Zuflüsse

Als Hauptsammler fließen der Ache aus den umliegenden Bergen zahlreiche Kleingewässer zu:

Pegel & Höchststände

Pegel Ilsank (links) und Wasserkraftwerk Duft (rechts)

Zur Überwachung des Wasserstands und des Abflusses sind direkt nach dem Zusammenfluss der beiden Quellbäche im Zauberwald der Pegel Hintersee und nach etwa 2/3 der Strecke in Engedey der Pegel Ilsank eingerichtet.

Der bisher höchste Wasserstand wurde am 17. Juli 2021 während der Hochwasserkatastrophe 2021 mit 154 cm gemessen.[2] Die dabei auftretenden Wassermassen rissen kurz vor Berchtesgaden einen etwa 50 Meter langen Abschnitt der Straßenstützmauer der B 20 / B 305 (Ramsauer Straße) weg, wodurch Teile des Fußwegs und einer Fahrspur in die Ache stürzten und eine weitere Fahrspur noch unterspült wurde.[3]

Höchststände am Pegel Ilsank[2]
154 cm 17. Juli 2021
144 cm 12. August 2002
141 cm 25. Juli 1972

Brücken

Auf ihrem langen Weg durch die Gemeinden wird die Ache von zahlreichen Brücken überquert:

Brücke Straße / Lage
Zauberwald Südost Ableitung Antenbichl Mühlbach
Zauberwald Osten Alte Hinterseer Straße
Marxenklamm Aussichtsbrücke Im Zauberwald, Marxenklamm
Marxenbrücke Hinterseer Straße; St 2099
Pfeiffenmacherbrücke Zufahrt Parkplatz Pfeiffenmacherbrücke
Oberwirtsbrücke / Wirtsbrücke Fendtenweg
Schmiedbrücke Zufahrt Im Tal 73-79
Ertlsteg Zugang zum Malerwinkel
Steg Höhe Im Tal 64
Neuhausenbrücke Straße Riesenbichl
Hiesenbrücke / Hiasenbrücke Zufahrt Im Tal 17
"Wasserfallaquädukt" Ramsauer Mühlbach / Waltlmühle
Reschenbrücke Reschenweg
Aurerbrücke Zufahrt Berchtesgadener Straße 20 (Au)
Steg Rotheben
Wimbachbrücke Wimbachweg
Preisenklamm Aussichtssteg (2021 abgerissen) Unteres Felsentor
Duftbrücke Duftberg
Stangerbrücke Stangerberg
Mariensteig gegenüber Gmundberg
(ehemalige Frauenreuthbrücke) Bahnhofkreisverkehr

Grenzgewässer

Auf ihrem fast 13 Kilometer langen Weg bildet die Ache eine Reihe von politischen und natürlichen Grenzen.

Politische Grenzen

Politisch trennt das Gewässer die vier Gemeinden Ramsau bei Berchtesgaden, Schönau am Königssee, Bischofswiesen und Berchtesgaden voneinander. Etwa mit dem Eintritt in die Preisenklamm bis zur Roßhofschmiede trennt sie die Gemeinden Ramsau bei Berchtesgaden und Schönau am Königssee. Von der Roßhofschmiede bis zur Einmündung der Bischofswiesener Ache am Gmundberg, stoßen die Gemeinden Bischofswiesen und Schönau am Königssee in der Mitte oder am Ufer aufeinander. Im letzten Abschnitt vom Gmundberg bis zum Bahnhofkreisverkehr stellt sie die Gemeindegrenze zwischen Berchtesgaden und Schönau am Königssee dar.[4]

Natürliche Grenzen

Als natürliche Grenze trennt die Ache die fünf Gebirge Reiter Alm, Hochkalter, Lattengebirge, Watzmannstock und Untersberg voneinander. Vom Beginn am Hintersee bis zur Einmündung des Lattenbachs teilt sie die Reiter Alm und das Hochkaltermassiv und weiter bis zum Wimbach das Hochkaltermassiv und das Lattengebirge. Ab dem Wimbach bis zur Einmündung der Bischofswiesener Ache schließen das Lattengebirge und der Watzmannstock an die Ache an und im anschließenden letzten Stück bis zur Mündung trennt die Ramsauer Ache den Watzmannstock und den Untersberg.[5]

Nutzung

Ramsauer Ache beim Malerwinkel (links)

Die Nutzung der Ramsauer Ache gestaltet sich vielfältig und hat sich über die Jahrhunderte deutlich verändert. Während früher der Transport von Holz und der Betrieb von Mühlen der Hauptnutzen waren, so überwiegt heute die Stromerzeugung durch Wasserkraft. Weiters nutzen auch Fischer und Wassersportler das Gewässer in geringem Maße.

Eine besondere Nutzung stellt seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Verwendung als Bildmotiv dar. Gemeinsam mit der Pfarrkirche St. Sebastian, dem Ertlsteg und den Südhängen der Reiter Alm bildet die Ache die vier prägenden Elemente des Malerwinkels.

Wasserkraft

Derzeit wird das Achenwasser für den Betrieb von vier Kleinwasserkraftwerken verwendet, wovon sich vier im Gemeindegebiet von Ramsau bei Berchtesgaden und eines im Gemeindegebiet von Schönau am Königssee befinden[6]. Drei der vier Kraftwerke basieren auf alten Mühlen, die zu Wasserkraftwerken umgebaut wurden.

Wasserkraftwerke[7]
Anlage Inbetriebnahme Adresse
Antenbichlmühle ? Im Zauberwald 15
Hammerschmiede ? Im Tal 79
Waltlermühle 1890/1933[8] Im Tal 7
Elektrizitätswerk Duft 2005[9] Duftberg 70

Zwei der Kraftwerke, die Antenbichlmühle und die Waltlermühle, verfügen historisch bedingt über eigene Mühlbäche, die Wasser von der Ache ableiten und später wieder zuführen. Dies sind der Antenbichl Mühlbach und der Ramsauer Mühlbach.

Neben den bestehenden Kraftwerken, plant seit August 2009 ein Unternehmer aus Drachselsried, Landkreis Regen, im Umfeld des Unteren Felsentors ein großes Wasserkraftwerk mit Einlaufbauwerk, Drucktunnel und Turbinenhaus zu errichten. Hierzu soll auch die Ache aufgestaut werden. Dieses Projekt ist stark umstritten und wurde bereits vom Bund Naturschutz und dem Landesbund für Vogelschutz beklagt.


Das Wasserkraftwerk Rosshof, das direkt neben der Ache steht, wird vom der Ache zufließenden Mindlgraben gespeist.

Historisch

In früheren Zeiten war die Ache ein wichtiges Transportmedium der Holztrift nach Berchtesgaden. Auf ihr wurde das Brennholz aus den Wäldern des Klausbachtals und des Wimbachtals zur Saline Frauenreuth getriftet.

Neben der Holztrift wurde das Achenwasser auch zum Betrieb verschiedenster Mühlen genutzt. Die Antenbichlmühle im Zauberwald und die Waltlmühle im Ortskern verfügten sogar über eigene Mühlbäche und die Hammerschmiede über einen kurzen Wasserkanal.

Einzelnachweise

  1. Verzeichnis der Wildbäche in Bayern
  2. 2,0 2,1 https://www.gkd.bayern.de/de/fluesse/wasserstand/inn/ilsank-18622006/statistik
  3. https://untersberger.info/bericht/13095/Hochwasser-reist-Teile-der-B-305-kurz-vor-Berchtesgaden-weg.html
  4. Karte der politischen Grenzen auf Gemeindeebene
  5. Karte der Gebirgsbegrenzungen
  6. Energieatlas Bayern
  7. Energienutzungsplan Landkreis Berchtesgadener Land
  8. https://www.holz-dieterich.de/geschichte.html
  9. Einbetonierte Jahreszahl im Gebäude